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Feder-Proben : eine Sammlung kleiner Erzählungen und Novellen / von J.W. Lembert
Entstehung
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zärtlicher Beſorgniß eilte der gute Sohn an das Krankenlager des Vaters, aber er kam zu ſpät, eine Stunde vor Eduards Ankunft hatte der Greis vollendet, ſein letztes Wort war Segen über den ge⸗ liebten Sohn. LTief fühlte Eduard den unerſetzli⸗ chen Verluſt!

Des Verſtorbenen Bruder war Miniſter, ein kluger; aber eben ſo ſtolzer Mann, der für nichts Sinn hatte, als für Glanz und Größe. Er ward, nach des Vaters Willen, der Vormund des noch minderjährigen Eduard. Auf ſeinen Befehl mußte der Reffe das Militair quittiren, und ſich dem di⸗ plomatiſchen Fache widmen; denn der Miniſter hatte den Plan, durch Eduard den Glanz ſeines Hauſes zu erhöhen. So wenig der Reffe auch Rei⸗ gung zu dieſer Laufbahn hegte, ſo mußte er doch dem mächtigen Günſtlinge des Fürſten gehorchen.

Er ward Legations⸗Rath, und weihte ſich ſeinem Geſchäfte mit doppeltem Eifer, um nach vollendeter Arbeit um ſo länger bey Julien weilen und in ihren Armen Erſatz für das trockne Aktenle⸗ ben finden zu können. Sein Onkel war von ſeinem Umgange mit der Sängerinn wohl unterrichtet, aber er lächelte zu der Galanterie; wofür er Edu⸗ ards Liebe hielt.

Bald darauf zeigte ſich eine glänzende Parthie für Eduard, der Miniſter ließ ihn rufen. Reffe,