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Feder-Proben : eine Sammlung kleiner Erzählungen und Novellen / von J.W. Lembert
Entstehung
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Eduard kam anfangs einige Mahl die Woche, endlich alle Tage. Julie nahm es ſich oft vor, der Schicklichkeit ein Opfer zu bringen, den Umgang mit ihm, der doch zu keinem glücklichen Ende füh⸗ ren konnte, abzubrechen, aber ihr Herz, dieſer mächtige Uſurpator, hatte der leitenden Vernunft die Zügel der Regierung entriſſen — ſie vermoch⸗ ze es nicht, ſo oft ſie ſich's auch vornahm.

Zeit und Gelegenheit ſind mächtige Feinde, wenn ſie mit einem liebenden Herzen im Bunde ſtehen; nach wenig Wochen küßte Eduard das lan⸗ ge bekämpfte Geſtändniß, daß er geliebt werde, von den zitternden Lippen der Erliegenden.

Julie ſah die Kluft, die ſie von dem Gelieb⸗ ten trennte, und die Unmöglichkeit, jemahls die Seinige werden zu können, wohl ein, aber ein liebendes Herz verlangt nichts als Liebe, es ſchwelgt im ſeligen Genuß der Gegenwart, unbekümmert um die Gewitterwolken, die im Hintergrunde der Zukunft aufſteigen.

Eduard war der glücklichſte Sterbliche. Ein neues Leben war ihm aufgegangen, was er nur in ſüßen Träumen zu ahnden wagte, war zur Wirk⸗ lichkeit geworden, er war geliebt von ihr, die er

anbethete! So verſtrichen in glücklicher Sorgloſig⸗ keit mehrere Monden, als Eduard plötzlich die Nach⸗ richt erhielt, ſein Vater ſey gefährlich krank. Mit