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Feder-Proben : eine Sammlung kleiner Erzählungen und Novellen / von J.W. Lembert
Entstehung
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Julie war die einzige Tochter des Forſtraths B —, in früher Jugend verlor ſie die Mutter; der Vater, ein kluger Mann, der außer ſeinem ſpärlichen Gehalt, nichts beſaß, folglich der Toch⸗ ter kein Vermögen hinterlaſſen konnte, ſorgte da⸗ für, daß Julie ſich mit Kenntniſſen bereicherte, die ſie in den Stand ſetzten, ſich nach ſeinem Tode ihren Unterhalt zu erwerben.

Mit beſonderer Vorliebe betrieb Julie die Muſik. Ihre ſchöne metallreiche Stimme durch ei⸗ nen geſchickten Meiſter ausgebildet, erregte in ei⸗ nigen Privat⸗Concerten, wo ſie ſich hören ließ, vieles Aufſehen. Eben hatte ſie ihr achtzehntes Jahr erreicht, als ein Schlagfluß den geliebten Vater wegrafte. Allein ſtand ſie nun in der Welt, ſich ſelbſt überlaſſen! Da machte ihr der Director des daſigen Theaters den Vorſchlag, ſich als Sän⸗ gerinn der Bühne zu widmen. Er war als ein durchaus rechtlicher Mann allgemein bekannt, und die Anerbiethungen, die er Julien machte, waren glänzend.

Das Vorurtheil, welches auf dem Schauſpie⸗ lerſtande laſtet, ſchreckte ſie zwar anfangs zurück, aber die Ueberzeugung, daß nicht der Stand den Menſchen, wohl aber der Menſch den Stand adeln könne, beſtimmte ſie, das Anerbiethen anzunehmen⸗