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Feder-Proben : eine Sammlung kleiner Erzählungen und Novellen / von J.W. Lembert
Entstehung
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ren, und die Abſchrift abſenden. Nit ängſtlicher Ungeduld ſah er der Rückkehr des lang ausbleiben⸗ den Bothen entgegen, endlich kam er und brachte folgende Antwort:

„Herr Graf! Was konnte Sie berechtigen, „einem ſchuldloſen Mädchen, das, wie es ſich „ſchmeicheln darf, einen unbeſcholtenen Ruf mit „Würde zu behaupten wußte, einen ſo entehren⸗ „den Antrag zu machen? Iſt es mein Stand, auf „dem ein ſo demüthigendes Vorurtheil laſtet, der „Ihnen den Muth zu dieſem verächtlichen Schritte „gab, ſo wiſſen Sie, daß es Ausnahmen von je⸗ „der Regel gibt, daß man wahre Tugend nicht „allein in Palläſten, ſondern auch in Hütten fin⸗ „det, daß ein Gemüth, das von dem himmliſchen „Feuer der Kunſt erglüht, erhaben iſt über das „Laſter, in ſo glänzender Geſtalt es ſich auch naht. —

„Bedauern dem Manne, der den Glauben an „weibliche Tugend verloren hat. Verachtung dem „Wollüſtlinge, der im üppigen Uebermuthe wähnt, „für Geld ſey alles feil.“

Julie B —

Erglühend im peinigenden Gefühle tiefer Be⸗ ſchämung ſtand Eduard bey Leſung dieſer Zeilen. Zum erſten Mahle hatte er ſich, von Leiden⸗ ſchaft verblendet, zu einem Schritte verleiten laſ⸗ ſen, vor dem er erröthen mußte. Er liebte ein