Chev. Schön! Morgen in aller Frühe haſt du dein Billet-doux. Ich will gleich mit dem Caſino⸗Wirth ſprechen, damit wir morgen Abend lauter echte Tropfen bekommen.
Graf Eduard von L*** war der einzige Er⸗ be eines bedeutenden Hauſes, unter der Aufſicht eines biedern Vaters, von einem eben ſo rechtli⸗ chen als klugen Hofmeiſter erzogen, wuchs der deutſche Jüngling kräftig heran, gleich geſund an Herz und Körper. Freylich hatte der Umgang und das Beyſpiel ſeiner Kameraden in dem halben Jah⸗ re, ſeit er als Lieutenant bey der fürſtlichen Gar⸗ de ſtand, Manches an ihm verändert und abgeſchlif⸗ fen, freylich hatten Temperament und lockende Ge⸗ legenheiten, die dem ſchönen Jüngling in der ver⸗ führeriſchen Reſidenz nicht fehlten, ihn zu manchem Fehltritt verleitet, doch war es ihm, Dank ſeinen Grundſätzen, immer noch gelungen, ein unverdor⸗ benes Herz aus dem reißenden Strome zu retten. Sein beſſeres Gefühl ſträubte ſich daher gegen die freche Sprache des Briefleins, welches ihm der Chevalier am folgenden Morgen ſandte, allein Furcht vor dem Spotte des Weltlings, und der Wunſch, mit der ſchönen Sängerinn, die einen bisher noch nie empfundenen tiefen Eindruck auf ſein Herz gemacht hatte, bekannt zu werden, lie⸗ ßen ihm die mißbilligende innere Stimme überhö⸗


