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Kleine Novellen : vier Bändchen / von A.G.L. Toussaint
Entstehung
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„Keine, die weniger Aufſchub leiden, Monſennor,“ fiel der Baron ſchnell ein; „wenn Ihr nicht Eure Nichte in eine ſonderbar zweideutige Lage verſetzt ſehen wollt. Ihr habt den jungen Gauthier de Vergy unter den Schutz von Donna Valentina geſtellt und ſie ſteht im Begriffe, ſeine Braut zu werden.“

„Das begreife ich nicht!“ rief Eimenes, ſeine dunkeln Augen blitzſchnell öffnend.

„Ihr werdet es begreifen, hochwürdiger Herr. Gauthier de Vergy, Sire de Roubais iſt der jüngſte Kammerherr und eine Art von Günſtling unſeres Herrn, des Königs; er iſt mein Neffe und wird mein Erbe. Wenn er nicht hier neben mir ſtände, dann könnte ich Euch von ſeinem Charäkter eben ſo viel Gutes ſagen, als von ſeinem Adel. Er liebt Donna Valentina mit der ganzen Gluth ſeiner einundzwanzig Jahre, und die Sennora iſt nicht allzuſehr beleidigt durch dieſe Liebe, denn ſonſt würde ſie es nicht ihm und mir erlaubt haben, Eure Eminenz um ihre Hand für ihn zu bitten.“

„Aber ich begreife uicht,“ wiederholte der Kardinal, „wie man Donna Valentina de Arrerv ſein kann und einem Fremdling nach einer Stunde Bekanntſchaft Herz und Hand zuſagen kann.“

„Monſennor, Ihr verkennt mich ſo!“ rief Valentina lebendig, — aber Amerstorff ſiel abermals in ſeinem frei⸗ müthigen und ruhigen Ton ein:

„Wenn ein Diplomat ſich junger weiblicher Geſandten nach fremden Höfen bedient, dann darf er es nicht ſo ſehr unwahrſcheinlich ſinden, daß ſie noch andere, als diplo⸗ matiſche Beziehungen in der Hauptſtadt anknüpfen, wenn auch dieß Anfangs nur geſchah, um den Zweck der Reiſe zu erreichen. Eure Eminenz werden mir verzeihen, wenn ich ſage, daß Sie mehr ein feiner Staatsmann, als vor⸗ ſichtiger Vormund ſind. Aber Ihr könnt es nicht vergeſſen haben, daß Ihr im vorigen Jahre Donna Valentina in ihrer Eigenſchaft als Hofdame der Königin Johanna nach Brüſſel ſandtet, um dem König Nachricht von dem Zuſtand