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Sie kam, gefolgt von Gauthier de Vergy und be⸗ gleitet von einem andern Manne, dem Baron Amerstorff, einem zweiten Amtsgenoſſen des Regenten, einem derer, welchen er die meiſte Achtung zutrug und der dieſelbe ge⸗ wiß am eheſten verdiente. Es war ein ſtrenger und wür⸗ diger Mann, ſeinen Grundſätzen, wie ſeinen Rechten gleich treu, mit dem Kimenes noch am eheſten übereinkam, ob⸗ gleich er an ihm den lebhafteſten Gegner fand.
„Mein hoher Oheim,“ begann Donna Valentina mit liebenswürdigem Schmollen; „ſo iſt denn endlich die Reihe an mir, nachdem Gott weiß wie viel läſtige Menſchen den Vorzug hatten, und jetzt ſtehe ich, mein Recht, zuerſt ſprechen zu dürfen, dieſem Edelmanne ab, der meine Sache bei Euch verfechten will.“
„Der Baron Amerstorff hat ohnedieß den Vorrang,“ ſprach der Kardinal höflich, „nur möge er mir erlauben, daß ich thue, als ob ich nur Euch empfinge; mein Geiſt iſt zwar ziemlich des Leibes Herr, aber man ſoll auch ſeinen Sklaven nicht zu viel Laſt aufbürden und in dieſem Ruheſtündlein habe ich ſo wenig Ruhe gehabt.
Der Kardinal ſaß in der That wieder ganz gebeugt in dem Armſtuhl und ließ das Haupt auf eine Seite hängen, eine Haltung, die ihm gemächlich ſchien.
„Wenn der König hier iſt, dann wird das ſchon beſſer werden,“ redete er mit wohlgefälligem Lächeln und ſeine Augen ſchloßen ſich wieder.
Amerstorff, der wohl wußte, daß er in ſolchen Augen⸗ blicken nicht weniger ſcharf ſah, und eben ſo gut hörte, wie immer, ſprach höflich, aber ernſt:
„Euer Eminenz laſſe ſich durch meine Anweſenheit nicht ſtören; ich komme nicht als Euer Amtsgenoſſe und nicht um Staatsſachen zu verhandeln, ſondern nur im ſureſe zweier junger Leute, mit denen wir in Beziehung
ehn.“
„Oh das findet ſich ſpäter,“ ſprach Limenes ſich wieder zuſammennehmend; „ich habe für den Augenblick andere
Pflichten.“


