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kunft vorſpiegelt? Er und ich, wir vermögen doch nichts gegen Euch. Ich bin ja nur ein Kind, ein ſchwacher Jüngling, ohne Einfluß und ohne Macht; ich bin ja ge⸗ wiß und ganz der Größe meines Bruders geopfert. Ihr
ſeid doch ſo mächtig und ſeine Rechte ſind, wie man ſagt,
ſo wohl geſchützt, warum wollt Ihr denn ganz zertreten, was ſchon ſo tief gebeugt liegt und aller Kraft, ſich zu erheben ermangelt? Man ruͤhmt Euch als einen edel⸗ müthigen Feind; laßt mich erfahren, daß Ihr dieß ſeid Aber Kimenes hatte ſich jetzt von ſeinem Stuhle er⸗ hoben und zwang zugleich den Prinzen, aufzuſtehen. Dann faßte er ſeine Hand und ſchaute ihn wieder mit dem Blick inniger Betrübniß an, den er ſchon einigemale auf ihn geheftet hatte. Leiſe das Haupt ſchüttelnd, ſtand er aufrecht vor ihm. Die Schwäche des Alters ſchien den Rücken des Regenten nur momentan gebeugt zu haben, denn jetzt war von der Krümmung keine Spur mehr ſicht⸗ bar, und Limenes war ſo groß, daß er tief auf den ſchlanken Jüngling niederblickte.
„Vergebt mir, wenn ich weniger über Euren Gehor⸗ ſam erſtaunt bin, als Ihr, mein Infant!“ ſprach er. „Aber ich ſah ſtolzere und ſtärkere Häupter, als das Eure, zu meinen Füßen. Der Infantado, auf deſſen mächtigen Bei⸗ ſtand Ihr Eure größte Hoffnung für die Zukunft ſtellt, der kniete ſo wie Ihr, und mit ihm alle Granden Caſtiliens, die ſich deſſelben Vergehens ſchuldig gemacht hatten; da⸗ mals auch war ich nicht ſtrenge, ich wollte Milde üben. Sie wiſſen, daß ich dieß nicht zum zweitenmal thun werde. Glaubt darum nicht an die Aufrichtigkeit ihrer Verſpre⸗ chungen — ſie dürfen Euch nicht helfen, ſelbſt wenn ſie es wollten. In ſo fern wäre alſo Eure demüthige Rede gut, wenn ſie nur aufrichtiger und beſſer gemeint wäre. Aber glaubt mir, Prinz, man durchlebt keine achtzig Jahre und durchlebt ſie gewiß nicht ſo, wie ich, ohne ein wenig tiefer in die Herzen der Menſchen zu ſehen, als Manche es für wünſchenswerth halten. So weiß ich auch, junger


