Wir werden aus des Kardinals eignem Munde hören, wie ſehr Spanien unter dieſen unglückſeligen Verhältniſſen litt. Für den Augenblick genügt es uns zu wiſſen, daß er unter all dieſen Kämpfen achtzig Jahre alt geworden war und wie keine ſeiner Amtspflichten, ſo auch keine der Pflich⸗ ten ſeiner Religion verſäumt hatte. An dieſer hing er mit feſtem Glauben, ohne daß er darum in die geiſtige Schwäche verfallen wäre, die zum Fanatiker führt. Wäh⸗ rend er ſich ſelbſt nicht einen ſinnlichen Genuß erlaubte, ſtiftete er Frauenklöſter, friedliche Aſyle für verarmte Edel⸗ fräulein, in welchen ſie für die Welt erzogen wurden, um in die Welt zu treten, wenn dieſe ſie anlockte, in denen aber nur ernſter Beruf ein Recht zur Aufnahme gab. Während er das Chriſtenthum durch Zwang und Milde unter Juden und Heiden ausbreitete, ſtrebte er zugleich, die Chriſtenheit durch reine Uebertragungen der Bibel zu er⸗ leuchten, dieß heilige Buch möglichſt zu verbreiten und unter der Geiſtlichkeit namhafte Verbeſſerungen einzuführen.
Wenn auch blind und unerbittlich ſtreng bei Aus⸗ führung der Geſetze, verletzte er doch nie das menſchliche Gefühl durch irgend eine Grauſamkeit und ſelbſt ſeine Feinde können ihm nicht eine perſonliche Rache nachweiſen.
Man kann ihm als gewandten Staatsmann Mazarin zur Seite ſtellen, nur war er rein von deſſen kriechendem Eigennutz. Er war kein ſchlechterer Regent als Richelieu, aber ein frömmerer Kardinal und ein beſſerer Menſch. Er hielt ſeinen König nicht in Unmündigkeit, wie jener, aber als der König unmündig war, da wachte er für die Rechte des Königthums, wie für die Wohlfahrt des Volkes. Ja wohl, er konnte mit Recht ſagen, daß er an ſeinem Platze war.
Nach dieſem Wort von Zimenes ſtarrte Adrian eine Weile, wie in ernſte Gedanken vertieft, auf die Depeſchen
und ſchien eben Willens, eine Frage zu thun, als der Groß⸗
ceremonienmeiſter in ernſter Haltung eintrat und meldete, daß der Infant Don Fernando im Vorſaale ſei und um eine Unterredung mit dem Regenten bitte.


