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„Wer begleitet den Infanten?“ frug Timenes, einen bedeutungsvollen Blick auf ſeinen Amtsgenoſſen werfend.
„Niemand als der alte Sekretär und Seine Gnaden möchten gern ohne Ceremoniell empfangen werden.“
„Es geſchehe, wie Seine Gnaden befehlen,“ erwie⸗ derte Timenes mit Würde und wenige Augenblicke nach⸗ her trat Ferdinand von Oeſterreich ein, der zweite Sohn Philipps des Schönen und Johanna's, welche man die Wahnſinnige nannte.
Wenn auch ſeinem Alter nach noch ein Knabe, ſchien dieſer Fürſt durch ſeinen hohen Wuchs und ſeine früh geformten Züge ſchon ein Jüngling, und ſein ſchwermu⸗ thiges Auge und die leidende Bläſſe ſeines Geſichtes weckten Intereſſe und Neugier. Er litt in der That an einer verzehrenden Qual, der — unbefriedigten Herrſch⸗
ſucht.
Die erſte Verfügung ſeines Großvaters, welche ihn zum Großmeiſter der drei höchſten Ritterorden ernannte und zum Regenten aller Staaten Spaniens, war ihm nicht unbekannt geblieben und ſie hatte dieſe unglückliche Leidenſchaft in ihm geweckt. Wohl mögen wir dieſelbe unglücklich nennen, denn nachdem er eine kleine Weile von ſeiner hohen Beſtimmung geträumt hatte, ſagte man ihm, daß ſie für ſeinen ältern Bruder aufbewahrt ſei, daß ſein Rang im Königreich nur ein ſolcher ſei, der wohl Ehre gebe, aber keine Macht. Und als er weder ſeine Ent⸗ täuſchung, noch ſeinen Aerger darüber zu verbergen wußte, da wurde er ein Gegenſtand des Mißtrauens, welches ſeine eigne Unvorſichtigkeit, ſo wie die ſeiner Erzieher und Vertrauten, von Tag zu Tag noch mehr rechtfertigten.
Er ſtützte ſich auf den Arm ſeines Sekretärs Cecco d'Entradas, eines würdigen Geiſtes mit lebendigem Auge und ſcharfen Zügen.
Nachdem die beiden Kardinäle ihm als einem Prinzen von königlichem Blut einige Schritte entgegen gegangen waren, warf er ſich als Sohn der Kirche zu den Füßen des höchſten Kirchenfürſten nächſt dem Papſt nieder.


