Bis zu Karls Großjährigkeit ſollte der Erzbiſchof von Toledo die Sorge für Spanien übernehmen. Die flämiſchen Erzieher des Prinzen hatten dem Augenblick ſchon ſeit langer Zeit mit beſorgten Blicken entgegen geſehen und in ihrer Weiſe Vorkehrungen getroffen, ihrem Zögling die Nachfolge, ſich ſelbſt aber alle Macht in ſeinem Namen zu verſichern; zu dieſem Letztern aber hatten ſie ganz verkehrte Mittel angewandt.
Ein frommer und uneigennütziger Mann, der löwener Dekan Adrian von Utrecht, wurde noch bei Lebzeiten Fer⸗ dinands nach Spanien geſandt, um bei deſſen Tode gleich in Karls Namen die Regentſchaft zu übernehmen. Der König aber, dem dieß Warten auf ſeinen Tod unerträglich war, hielt ihn für einen Spion und ließ ihn nie vor ſich; und als Ferdinand ſtarb, da ergriff Kimenes, ohne ſich weiter um die flämiſchen Vollmachten zu kümmern, die Zügel der Regierung ſogleich mit feſter und kräftiger Hand.
Wir haben ſchon angedeutet, daß Adrian der Mann nicht war, den man dieſem Fimenes gegenüber hätte ſtellen dürfen; aber wären auch die geiſtigen Fähigkeiten beider gleich geweſen, ſelbſt dann noch war der Vortheil auf der Seite von Fimenes, denn Adrian war Fremdling in dem Lande, keine Parthei hing mit Aufrichtigkeit an ihm und an Hülfsmitteln ſtand er dem Kardinal bei weitem nach.
Um ihm wenigſtens gleichen Rang mit Timenes zu geben, verſchafften die Räthe des jungen Königs ihm den Kardinalshut. Doch was half das! Zimenes hätte als einfacher Mönch über den neuen Kardinal geherrſcht. Da ſandte man Adrian Mitregenten zu, deren Stimmen ihm ein Uebergewicht verſchaffen ſollten; aber Fimenes hörte ſie höflich an und ging dennoch ſeinen eignen Weg, denn er wußte, daß er ſich genug war, wenn es die Intereſſen des Reiches galt, und daß fremder Einfluß ſeine wohl⸗ durchdachten Pläne nur kreuzen und nur Verwirrung her⸗ beiführen werde. Das erkannten die Brüſſler Räthe end⸗ lich auch ſo gut, daß ſie ihm endlich in Allem Recht gaben. Sobald er Ferdinands Teſtament durch Karl bekräf⸗


