11
entbehren kann. Darum betet mit mir, denn es iſt das Heil unſeres Vaterlandes.“
In der vollen Reinheit ſeiner Seele vergaß er, daß der Mann, an welchen er dieß Wort richtete, ſein Gegner war, der nach ſeinem Falle oder nach ſeinem Tode eigne Größe und Selbſiſtändigkeit erwartete. Er ſprach dieß Wort nicht mit dem Eigendünkel eines eingebildeten Hoch⸗ müthigen, ſondern mit dem heiligen Selbſtbewußtſein deſſen, der nach langer Prüfung ſeiner Kräfte dieſe kennt und weiß, daß er ſtark und ſcharfblickend genug iſt, Glück wie Unglück zu ertragen, der weiß, welche großen Dienſte er ſchon bewieſen hat und welche noch von ihm werden ge⸗ fordert werden.
„Ja ich werde an der Regierung bleiben und wenn auch alle Kämpfe und alles Elend, welches ich jetzt hinter mir habe, noch vor mir lägen. Das mir Anertraute gebe ich nur meinem geſetzlichen Herrn ab, ſobald dieſer zum tüchtigen Jüngling gereift ſein wird und ſelbfiſtändig ſehn und handeln kann, nicht aber den Führern und Leitern eines unmündigen Knaben, den ſie als Schild gebrauchen, um ihren Eigennutz oder ihre Ungeſchicktheit zu Lerbergen.“
Während des Geſpräches hatte Limenes ſeine großen ſchwarzen Augen ganz geöffnet. Die ſeelenvolle Gluth, welche aus ihnen leuchtete, entſchädigte für den Glanz, den ihnen die Jahre geraubt hatten. Man ſah, daß es Augen waren, mit deren Blick er thun konnte, was er wollte, gebieten oder ſchmeichelnd zu ſich locken oder trotzig von ſich abſtoßen; aufrichten oder zerſchmettern. Adrian ſchien ſich nicht vor dieſem Einfluß ſchützen zu können, obſchon er ihn vollkommen anerkannte, denn er ſchlug die Augen nieder und ſprach nur ſeufzend:
„Ja, ich weiß wohl, Ihr werdet beherrſchen, wen Ihr wollt und ſo lang Ihr wollt.“
Aber Aimenes war inzwiſchen wieder ſeiner Begeiſte⸗ rung Herr geworden und ſah vielleicht ein, daß er mehr geſagt hatte oder noch ſagen werde, als die Umſtände er⸗ laubten, denn er frug mit plötzlich verändertem Ton:


