„Gönnt mir einen Augenblick, mit Euch zu ſprechen Monfennor; ich kam um dieſe Mittagsſtunde, weil ich Euch ohne Arbeit zu finden dachte. Ruhet doch jetzt ein wenig aus und macht mir die Freude, mich anzuhören.“
Doch der Kardinal antwortete nicht und las mit ge⸗ ſpannter Aufmerkſamkeit weiter, während Inico der Sennora mit traurigem Kopfſchütteln zuflüſterte, daß ſein Herr die Speiſen noch nicht angerührt habe. Ein Blick auf den Tiſch beſtätigte dieß Valentinen, die jetzt, die Hände fal⸗ tend, leidenſchaftlich ausrief:
„Ach, großer Patron von Spanien! Muß er denn hungern, der zur Zeit der großen Hungersnoth alle Armen Spaniens ſpeiste! Und was iſt das für ein Mahl! Der Jagdhund des geringſten Hidalgo verſchmähte die Koſt! Ach, ſüße Himmelskönigin! Belohne Du die große Fröm⸗ migkeit des Heiligen, welche weder der König noch dieß Volk belohnen können oder auch nur begreifen.“
Die Erſcheinung des ſo ſchönen, wie ernſten, ſo kind⸗ lichen, einfachen und doch ſo würdevollen Mädchens die Freimüthigkeit ihrer Worte, die Pracht ihrer Kleidung in dieſer kahlen, einfachen Umgebung, ihre lebendige Friſche inmitten all dieſer düſtern, ernſten, ſchweigſamen und un⸗ beweglichen Männergeſtalten, hätten auf den Madrid frem⸗ den Zuſchauer einen ſonderbaren Eindruck gemacht. Hier aber weckte ſie keines Befremden, ſelbſt der Kardinal ſchien daran gewohnt und das hatte ſeine Urſachen.
Donna Valentina war ſeine Hausgenofſin, ſeine Blutsverwandte, die Einzige, welche mit freier Hand aus ſeinen Schätzen ſchöpfen konnte, wo es weniger nöthige Ausgaben galt, die einigen Glanz und einige Heiterkeit in die Seite ſeines Palaſtes brachte, welche er ihr überlaſſen hatte. Manche hielten ſie für eins der Werkzeuge ſeiner Politik, die neben dem großen, offenen Weg natürlich auch manche kleinen heimlichen Gänge hatte, wodurch ſie zu ihrem Ziel gelangte. Jedenfalls hielt er durch ſie einen Theil des jungen Adels an ſich gefeſſelt.
Jetzt erhob der Kardinal-Regent das Haupt und


