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Kleine Novellen : vier Bändchen / von A.G.L. Toussaint
Entstehung
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die wimperberaubten Augenlider gaben dieſem Antlitz etwas ſo ſanft Erhabenes, daß wohl Niemand hätte er⸗ rathen können, welche gebietenden Flammenblicke dieſe Wimper verſteckte.

Die ſchmalen, zuſammengepreßten Lippen, verblichen, gleich dem Haar, ſprachen von eben ſo feiner Klugheit, als von feſtem Willen, während das ſpitze, magere Kinn, dieſen Zügen eine Schärfe und Eckigkeit gab, welche ihnen urſprünglich nicht eigen war, und die durch die eingefallenen Wangen noch gehoben wurde.

Limenes hatte den Vorſitz im regierenden Rath ge⸗ führt und trug unter dem Purpurſammt des Kirchenfürſten die Inſignien des erſten Miniſters und Kanzlers nebſt dem leuchtenden Diamantkreuz der Erzbiſchöfe von Toledv. Nur er wußte, daß unter dieſem Prachtgewand der Haar⸗ gürtel des heiligen Franziskus den ſchwachen Leib ſchmerz⸗ lich preßte.

Allein ſelbſt dieß kurze Gebet, das er jetzt verrichten wollte, ſollte nicht ungeſtört bleiben.

Ein Eilbote mit Briefen aus Brüſſel für die Regent⸗ ſchaft! rief eine Stimme im Vorzimmer ſo laut, daß der Kardinal in ſeiner Andacht geſtört wurde. Er endete ernſt, wenn auch ein wenig haſtig, das Benedicte, gab den Seinen den Segen und frug raſch:

„Von ſeiner Hoheit? Ohne Weiteres zugelaſſen!“

„Mein durchlauchtigſter Herr!“ bat der Majordomo, während er dem Kardinal mit ſlehender Miene einige Speiſen anbot.

„Sennor Inico!“ ſprach dieſer nicht ohne Strenge; „ihr wißt, was uns vorgeht.“

Und er wandte das Auge fragend dem Eingetre⸗ tenen zu.

Es war ein Jüngling in Ritterkleidung, wie man ſie am flämiſchen Hofe trug, von ſchlanker, feiner Geſtalt und einfach aufrichtigem Aeußern, mit goldgelbem Haar und ſanftblauen Augen. Er ſchien noch ſo jung, daß er nicht einmal das Kinnbärtchen aufzuweiſen hatte, welches damals