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große Kardinal Kimenes. Ihr werdet mir es kaum glau⸗ ben, — dieß ſollte Eimenes ſein, der ſchwache, zuſammen⸗ finkende Greis, der geknickt iſt durch Ermüdung und Mattigkeit, der keinen andern Willen, keine andere Kraft zu haben ſcheint, als die zu ſchlummern und ſich zu laben? Dieß war der Mann, welcher Karl von Oeſterreich vertritt, der Ferdinand und Philipp vertreten hat? Der trotz dem König und ſeinen Räthen, trotz dem Adel und deſſen Einfluß Spanien mit feſter und kräftiger Hand nach ſeinem Willen lenkte?
O ihr würdet ihn gleich erkennen, wenn ihr wüßtet, aus welchen Kämpfen er ſiegreich hervortrat, um hier kurzer Ruhe zu pflegen, wie er von früher Morgenſtunde an bis zu ſpäter Mittagszeit ruhelos von einer Arbeit zur andern fortgejagt worden; wie er als Staatsmann gegenüber Adrian von Utrecht, als Unterthan gegenüber Chiévres, dem Günſtling ſeines Fürſten, als Regent gegenüber dem Admirante von Caſtilien und ſeiner ſtolzen Parthei, als Feldherr gegenüber Jean dAlbert und Horuc Barbaroſſa geſtanden hatte, wie er als Prieſter ſich gegen den Papſt erhoben, dem er die Zehnten der kirchlichen Einkünfte ver⸗ weigern mußte. Und dabei war er achtzig Jahre alt, und
ſein Faſten, ſeine Nachtwachen und Arbeiten hatten ihn
vielleicht noch mehr geſchwächt, als dieſe acht Dezennien.
Langſam leerte er den ganzen Becher, grade als wolle er jeden Zug des friſchen, klaren Quellwaſ⸗ ſers doppelt ſgenießen; dann erhob er ſich ein wenig, grüßte die Umſtehenden mit vertraulichem Kopfnicken, machte das Zeichen des Kreuzes und faltete die Hände zum Gebet. Alle Anweſenden knieten nieder. Der Greis hatte etwas tief Rührendes und Ehrwürdiges in dieſer Haltung.
Die hohe geniale Stirn, über welche der Ernſt des Gebetes eine heilige Nuhe gegoſſen; der ſchmale Kranz ſeiner Haare, welchen die Ordensregel ihm noch gelaſſen hatte, und die ſo ſilberweiß geworden waren, daß ſie das enge Sammtkäppchen, gleich einer Borte von glänzendem Perlmutter umgaben; die feinen weißen Augenbrauen,


