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„Nein, Mutter, ich gebe nichts nach, wo es die Sache der Kirche Gottes gilt.“
„Kind, Kind, hüte dich vor ſo harter Unduldſamkeit; denke, daß es das Glück Deines ganzen Lebens gilt und auch des meinen,“ fügte ſie mit einer Thräne im Auge hinzu. „Oder meinſt Du, es würde mir nicht ſchrecklich hart ſein, meinen älteſten Sohn, in den ich meine ganze Hoffnung und meinen ganzen Stolz geſetzt habe, gleich
einem dürren Baum hinſterben zu ſehn? Und wenn Du
wüßteſt, wie ich ſchon für Deine Ausſteuer geſorgt habe und wie froh ich am Ordnen von Allem war!“
Die gute Frau konnte ihre Gefühle nicht länger be⸗ wältigen; ſie hatte ſich ſo viel Mühe gegeben, ruhig zu bleiben und mit Beſonnenheit zu ſprechen, aber jetzt raubte der Gedanke an Alles, was ſie ſo lange Zeit hindurch und mit ſo viel Sorgfalt geſammelt hatte und daß ſie ſich verge⸗ bens ſo ſehr auf Alles gefreut, ganz vergebens geſammelt, der Gedanke raubte ihr alle Macht über ſich ſelbſt — ſie konnte nicht weiter.
„Frau,“ ſprach Arnold, „wie könnt Ihr irdiſche Freu⸗ den zumeiſt beklagen, das am höchſten ſchätzen, was das Geringſte iſt — bedenket eher, daß Johanna verloren geht und daß Ottilie verloren iſt. Ottilie, ſie . .
Und er rang die Hände vor Schmerz. Eine Weile darauf fuhr er wieder ruhiger fort:
„Und ich ſollte duldſam ſein, wo es doch ihre und meine Seligkeit gilt und nur ein zeitliches Glück zu er⸗
ringen wäre?“
„Mein Arnold, Du biſt aufrichtig fromm, aber täuſche Dich ſelbſt nicht, Du haſt die Jungfrau zu lieb, als daß Du es nicht auf immer bereuen ſoliteſt, daß Du von ihr gelaſſen, und zu ſpäte Reue iſt Verzweiflung, mein Sohn, und der Rath von aller Weisheit der Welt kann ein gan⸗ des Menſchenleben hindurch nicht in Ordnung bringen, was ein Hitzkopf in einem Augenblick von Heftigkeit verdirbt;
Das Haus Lauerneſſe. 1. 13


