Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

—

187

vortheilhaft bekannt, daß es Laurenz nicht ſchwer fiel, der guten Frau über dieſe Klippen hinweg zu helfen. Die Liebe macht ſo beredt!

„Wohlan denn,“ ſprach ſie, „wenn Ihr es ſo ehr⸗ lich meint und nebſt den guten Ausſichten, von denen Ihr ſprecht, auch die Zuſtimmung Eures Herrn Oheims habt, woran ich bei Eurer Aufrichtigkeit und Geravheit nicht zweifle, dann will ich Euch rund heraus bekennen, daß ich einen ſo braven Jüngling, wie Ihr ſeid, meiner Toch⸗ ter zum Manne gewünſcht habe. Aber es wundert mich doch nicht wenig, daß unſere Aafke einen ſo ſtämmigen Geſellen zum Liebſten wählte, obgleich es auch wahr iſt, daß wir Frauen kräftigen Ernſt mehr am Manne lieben, als eitel Sinnen und Treiben und darum möchte ich wünſchen, daß mein Hugo . 4

Es ſchien, als wecke dies Lob ſeines Ernſtes und die Zuſtimmung, welche ſie ſo heiter gab, eine Erinnerung in dem Jünglinge, wenigſtens rieb er ſich die Stirne, wie einer der etwas ſagen möchte, was aber nicht über die Lippen will. Dann ſprach er, wie zu ſich ſelbſt:

„Nein, es wäre nicht Recht, wenn ich ihr verſchwei⸗ gen wollte, was zu wiſſen ſie ein Recht hat. Hört, Frau Reiniersz! Meine Aafke weiß es und hat mich darum nicht weniger lieb, die ernſte Stimmung, welche ihr an mir lobt, iſt eine Folge von nein, es iſt doch die Zeit nicht, dies Alles auseinander zu ſetzen — ich will Euch darum nur ſagen, daß ich an die Forſchung in .

Er blieb plötzlich in ſeiner Rede ſtecken, wie Frau Reiniersz plötzlich aufhörte, auf ſeine Worte zu achten, denn die Hausthüre flog nach einem mächtigen Stoſſe auf (ſie war geſchloſſen worden, nachdem die beiden Jüng⸗ linge eingetreten) und ein Mann ftürzte herein, warf ſich auf die erſte Bank nieder, welche ihm in's Auge fiel und blieb da geſenkten Hauptes ſitzen und mit mait nieder⸗ hängenden Armen, ohne ein Wort zu ſprechen, ein leben⸗