186
„Daran denken wir noch nicht, Hugo,“ ſprach die Wittwe ernſt; doch fügte ſie gleich wieder lächelnd hinzu: „der armen Dirne iſt es ſo leid, daß ſie auf Arnold's Hochzeit nicht tanzen wird.“
Laurenz warf einen ſprechenden Blick voll Freude und Zärtlichkeit auf die Jungfrau; dann flüſterte er ihr etwas zu und näherte dabei ſeinen Mund ihrer Wange ſehr, daß die langen Flügel des Häubchens ſtark
tten.
„Aafke, mein Kind,“ ſprach Frau Reiniersz ſchnell und leiſe mit dem Kopfe ſchüttelnd, wenn auch nicht mit all zu düſterm Blick; „geh und ſieh doch einmal in dem Saale nach, ob Elschen auch die Fenſterrahmen gut ab⸗ geputzt und wenn nicht, dann halte ſie dazu an; es ſetzt ſich leicht Staub auf das Schnitzwerk.“
Schnell und ſchweigend entfernte ſich das Mädchen. Laurenz warf einen bedeutſamen Blick auf Hugo, dem es plotzlich einfiel, daß er ſeine Pinſel ſuchen müſſe und der dann wegſprang, nachdem er ſeinem Freunde noch leiſe zugerufen:
„Wenn der günſtige Augenblick Euch nicht zu einem glücklichen Ziele führt, dann ſeid Ihr ein ſo ſchönes Mädchen nicht werth, wie Aafken iſt.“
Es hatte wenigſtens nicht an der Aengſtlichkeit oder dem Zögern des jungen Amſterdamers gelegen, wenn die gute Erwartung getäuſcht worden wäre, denn ſchnell und feſt näherte er ſich der Wittwe mit einem ruhigen:
„Frau Reiniersz, vergoͤnnt mir, ein ernſtlich Wort mit Euch zu ſprechen.“
Was das für ein Wort ſein mußte, können wir uns wohl denken und zugleich auch, daß Aafkens Mutter eine nicht allzu barbariſche Zuhorerin ſein mußte. Sie wußte auch nicht eine triftige Einwendung zu machen, die vielleicht, wenn wir ſie ſo nennen können, daß er ihre Tochter erſt ſeit zu kurzer Zeit kenne; doch dagegen wa⸗ ren die Corneliszen, Vater und Sohn und Oheim ſo
——
—


