Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
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hatte nie ſo ſehr durchgeſchimmert, daß zwiſchen dieſen und jenen ſich irgend ein Zwiſt entſponnen hätte. Viel⸗ leicht liebte ſie in der jüngern Tochter ihr Ebenbild, denn dieſe, welche ihr jetzt gegenüber ſaß, hatte ganz den ſtillen und ſanften Geiſt der Muter, viele ihrer häus⸗ lichen Tugenden und all die Schönheit, welche Frau Ba⸗ kelsze in ihren beſten Jahren beſaß.

„Aber ſage doch, Aafke,“ begann die Mutter, des

Schweigens müde, welches ſchon lange geherrſcht zu haben

ſchien, „es ſoll mich wundern, wann Du auf der Hochzeit und der Jungfrau von Lauerneſſe tanzen wirſt!“

„Leider werde ich nicht tanzen; kein Vergnügen macht mir Freude, ſo beklemmt iſt mir das Herz.“

„Und warum ſollteſt Du nicht luſtig ſein, lieb Kind 7

Ei, pflege doch der Freude in Deinen jungen Jahren, ſo lang der Kummer Dir noch nicht nahte; es ſind tolle Einbildungen, welche Dir im Kopfe ſpuken, oder glaubſt Du am Ende, es werde nichts mit Arnolds Hochzeit? Ich glaube nicht, daß wir dieß zu fürchten haben, ob⸗ ſchon ich auch endlich wiſſen moͤchte, wann der Hochzeits⸗ tag iſt. Es iſt ſonderbar, ſo lang zu warten. Das ad⸗ lige Fräulein wird doch ſein Verſprechen nicht bereuen, oder ſich ſcheuen, einen Bürgersſohn zum Gemahl zu nehmen. Zögern aus dem Grunde verſpräche nicht ſon⸗ verlich viel Glück für die Heirath.“

„Pfui, Mütterchen, denket nicht ſo ſchlecht von Otti⸗ lien: ſie iſt edel und ſanft und nicht eine ſo ſtolze Here, . manche Dirne von Utrecht, wie Bruder Arnold agt.“

„Ei, vas weiß die ganze Stadt. Wenn ſie früher zu Hofe bei unſerm Herrn Biſchof ging oder auf ein Feſt bei ihrem Oheim, dem Kanonikus von Sankt Johann, vann hörte man nur eine Stimme über ihre Liebenswür⸗ digkeit und ihre freundlichen Manieren. Es ſei fern von mir, daß ich ihr Uebles nachrede, aber, ſiche Kind, es bangt