Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
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getäuſcht wieder auf ihre Arbeit; es war nicht anders möglich, ſie mußte ſehnſüͤchtig nach irgend Etwas ſehen, was immer noch nicht zu ſehen war.

Es wäre Unrecht von mir, wenn ich meinen Leſerin⸗ nen eine Beſchreibung der Toilette dieſes Bürgermädchens vorenthalten wolltez ſie hatte etwas durch Friſche und Far⸗ 5 benpracht ſo Anziehendes, obſchon ſie vielleicht keinen An⸗ ſpruch auf die richtige Verbindung von Einfachheit und Gefälligkeit machen konnte, welche wir guten Geſchmack nennen. Unſere Spinnerin trug ein enganſchließendes Mieder

von ſchwerer hellblauer Seide, an welchem die Silberbor⸗ ten nicht geſpart waren und deſſen Schleifen anmuthig über die breiten Falten des Oberrockes niederhingen. Der groͤßte Schmuck der engen Aermel beſtand aus langen Einſchnitten auf der Schulter, an dem Unterarm und gleich über der Hand, durch welche das weite, dunkelrothe Futter ſchimmerte. Ein Gürtel von derſelben, damals ſo geſchätzten Farbe, den vorne eine Schnalle von vergolde⸗ tem Silber zuſammenhielt, umſchloß zierlich den ſchlanken Leib.

Die Mode heiſchte damals noch nicht, die üppigen Formen des Buſens unter einen tyranniſchen Harniſch zu preſſen; dafür mißgönnte ſie aber jeden freien Blick auf Hals und Schulter, welche ſie unter einem hohen Hemd⸗ chen von ausgeſuchteſter Leinwand verbarg, die, wie ſpinn⸗ webfein und ſchneeweiß ſie auch war, doch keineswegs für das entſchädigte, was ſie verſteckte. Ein ſchmaler ſilber⸗ ner Schmuck hielt es am Halſe, deſſen blankes Weiß die zierliche Feſſel nur mehr noch hob. Eine eiferſüchtige Haube bedeckte auch hier, und noch ſtrenger als bei Ottilien, die dunkelbraunen Locken des Bürgermädchens, denn dun⸗ kel mußten ſie ſein, das ſah man an den ſchwarzen Wim⸗ pern und den ſchönen Augenbrauen. Ein weiter Rock von violettem Wollenſtoff mit breiten ſilbernen Streifen ließ nichts von den prächtigen Scharlachſtrümpfen und

nur die Spitzen der Tuchſchühchen ſehen, wenn das feine