Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

176

„Das könnt Ihr ſelbſt, und noch mehr, Ihr könnt ihm Segen und Ruhe bringen; Ihr könnt ihm . ja Ihr werdet Sühne bringen zu Feinden. Kommt nur mit mir!“

„Nein, nein, ich darf nicht!“ rief Paul mit dem Tone durchdringenden Schmerzes, und wandte ſich ſchnell ab.

„Schwärmer!“ ſprach der Vicar, ihm nachblickend. „Jämmerlicher Schwärmer! — und doch beneidenswer⸗ ther!“ fügte er ſeufzend hinzu. Dann verſank er in tiefe Gedanken.

„Wie ſchade, daß Beide die Opfer nur Luthers Streit bringen und nichts Beſſerem? Selbſt Melanchthons Gelehrheit machte der Mann ſich zinsbar. Und ehedem galt ich Alles hier; wer gab den Menſchen Kraft, mir zu widerſtehn?“

Und er ließ das Haupt auf die Bruſt ſinken und zog

den Gürtel enger an. Dann ſchritt er eilends weiter wenige Augenblicke ſpäter ritt er über die Zugbrücke dahin. „Dem Himmel ſei Dank, daß Ihr auf meine Stimme hoörtet!“ ſprach Johanna zu dem jungen Reformator. „Wenn Ihr ihm gefolgt hättet., mir graut vor dem Ge⸗ danken. Man traue nicht leichtlich den Menſchen und ei⸗ nem römiſchen Prieſter nie, ſelbſt dem Beſten nicht! Es war ein feiner Anſchlag, der bald mit offener Gewalt wiederholt werden wird, da Liſt zu nichts half. Darum fliehet von hier nach einem Orte, wo Ihr ſicher ſeid und wohin Ihr Heil bringen könnt.“

„Wohin?“

„Nach Woerden,“ antwortete ſie ernſt. „Es wird endlich Zeit!“

„Und Ottilie?“

„Wir haben Gottes Wort und können uns ſelbſt er⸗ bauen. Aber eilt nun und nehmt Abſchied von ihr, denn ich ſage Euch, jede Zogerung iſt ein großer Verluſt.“