Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

174

ſprach, als der ruhige Verkündiger des Evangeliums; aber Balduin ſchien nur den Letztern in ihm zu ſehen.

„Weg von mir!“ ſprach er. „Ihr habt das Ver⸗ trauen, welches ich Euch allzugläubig ſchenkte, ſchändlich mißbraucht.“

„Ich mußte Herr, ich mußte,“ erwiederte Paul, ſichtbar ſchmerzlich getäuſcht zurücktretend; dann fuhr er

feſter fort: „Einer, der ſtärker war, als ich, drängte

mich, zu ſprechen; ich hätte meinen Beruf und meine Sendung verläugnen müſſen, wenn ich geſchwiegen, und das konntet ſelbſt Ihr nicht von mir verlangen, das hat der große Schwarz*) mich nicht gelehrt.“

„O mein Philipp!“ rief der Vicar, die Augen mit der Hand bedeckend. „Du weißt nicht, was Du mir zu⸗ geführt. Glaubſt Du denn wahrlich wohl zu thun? — Armer Paul!“ fuhr er bewegt fort. „Ja ich weiß, Ihr wußtet, Ihr ſeid auch ein Werkzeug. Ich vergebe Euch. Gelobt ſeien die Heiligen, daß Ihr Euch nicht ſelbſt in Gefahr geſtürzt habt. Perſonen, die viel für Euch übrig haben, danken dem Himmel dafür. Und jetzt, folgt mir ſchnell; Ihr habt auf mich gewartet, und ich komme Euch zu holen.“

„Euch folgen, Herr? Jetzt?“ frug Paul. „Es iſt leider zu ſpät. Ihr wißt nicht „

„Ich weiß Alles, junger Menſch, ſelbſt das, woran Ihr am Allerwenigſten venti.

„Ich darf ſie nicht in dieſen Augenblicken verlaſſen. Ich habe jetzt Pflichten, welche mich hindern, die Wege Anderer zu gehen, und wären es ſelbſt die eines Beſchützers, wie Euer Ehrwürden.“

„Ihr müßt mir folgen Jüngling!“ ſprach Balduin mit Nachdruck. „Das Geheimniß, welches Eure Geburt umſchleiert, könnte vielleicht.

*) Melanchthon.