Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
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keit und Eigennutz und Sinnlichkeit ihren Thron neben den Altären aufgeſchlagen und durch Verſchwendung, Un⸗ mäßigkeit, Erpreſſung, Herrſchſucht, Heuchlerei und un⸗ reine Gelüſten die Frommen geärgert und die Böſen er⸗ muthigt. Der Statthalter Chriſti und die Würdenträger der Kirche ſind keine Petrus mehr, keine frommen Alt⸗ väter. Julius II., Leo X. und ihre Kardinäle haben, auf wenige Ausnahmen nach alle Beiſpiele gegeben, wel⸗ chen die untere Geiſtlichkeit nur zu gerne folgte; was zu Rom geduldet und unterſtützt wird, kann anderswo nicht unterdrückt werden, und alſo ſündigen ſie fort, der eine auf die Strafloſigkeit des Andern pochend, und ſie ſehen nicht, daß der Satan mit glühendem Auge auf die Hürde ſchaut, welche ſie ſeinen Anfällen bloß geben, und auf die arme Heerde, die ſich mit Angſt und Beben nach andern Hirten umſieht, die eifriger und wachſamer find, die Heerde, welche in ihrer Unwiſſenheit zu Wölfen flieht, die ſie dem hungernden Seelenmörder zuführt, oder zu Ungeſchickten, die ſie auf Irrwege leitet, welche nicht we⸗ niger ſicher zur Hölle führen. So ſteht es jetzt mit der Kirche: das wiſſen wir alle, das ſehen wir alle, das be⸗ trauern wir alle, aber die Sünden ihrer Diener ſind kein Fallen der Kirche. Oder ſind die Apoſtel alle Ver⸗ räther Chriſti, weil Judas ihn verrieth? Oder ſind Mißbräuche feſte Glaubenspunkte und Ungereimtheiten un⸗ umſtößliche Verordnungen? Oder ſind die Coneilien nicht da, um das alte Grundgeſetz des Glaubens zu handhaben, Mißbräuche abzuwenden und den Uebermuth zu bändigen? Oder leben nicht klarſchauende Männer genug, welche alle mithelfen wollen, um die Reinigung zu befördern? aber natürlich langſam, ohne Erſchütterungen, damit Alles in Einheit und Ruhe bleibe. Iſt es denn nöthig, daß man zerreiße, bevor man heilt, und zertrete, ehe man reinigt? Luther glaubt das. Er hat Alles eingeſehn, wie wir Alle, er hat ſich geärgert, wie wir Alle, aber er hat der Aergerniß mit ſchamloſem Schreien Luft gemacht. Luther