Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
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von der Kirche Gottes verächtlich ſprecht, die auf den Felſen Petrus gegründet iſt, daß Ihr Euch denen widerſetzt, welche ſie vertreten?“ frug der Vicar mit ſtrenger Würde. Dann verſank er in tiefes Nachdenken, als ob er ſich be⸗ ſänne, wie er fortfahren ſolle. Einen Augenblick überflog ein Ausdruck ſtolzer Bitterkeit ſeine Züge und er ſprach, faſt mehr zu ſich ſelbſt, als zu ihr:

„Da die trüben Zeiten kamen, wo Laien und Frauen eingeweiht ſein wollen in die hohen Dinge der Kirche und Rechenſchaft von ihren Führern fordern, ſo iſt es recht und nütze, ſie darüber zu belehren, damit ſie wiſſen, daß die Kirche nicht vor ſich ſelbſt erröthet, und damit ſie nicht verleitet werden durch falſche Lehren, oder, wenn ſie verleitet ſind, zurückkehren.“

Dann ſtand er auf, rückte ſeinen Stuhl dem ihren näher und ſich über die Armlehne hinbeugend, begann er ſanfter, aber mit tiefem Ernſt:

„Sehet, die Kirche kann ſich verantworten, wenn ſie das will, auch ſelbſt gegen ihren dreiſten Angreifer Luther. Wiſſet Ihr, warum Luther großen Vortheil voraus hat und ſo viele zu ſich zieht? O die Kirche iſt unfehlbar, die Kirche ändert ſich nicht und iſt nicht ver⸗ ändert, weder in ihrem Weſen, noch in ihrer Reinheit, vielleicht in Formen, aber die Formen waren nöthig, wenn ſie Alles umfaſſen wollte. Wollte ſie das aber, dann mußte ſie auch Alles aufnehmen, das Reine, wie das Unreine, das, was ſie vielleicht verunreinigen konnte, wie das, was ſie reinigen würde; das was ſie ehren konnte wie das, was ſie erſt aus der Schande emporheben muß⸗ te; die Armuth, welche forderte, wie den Reichthum, der gab; den Schwachen, der um Schutz bat, wie den Starken, der Schutz anbot — ſie durfte nicht exeluſiv, ſie mußte allgemein ſein. Das war ſie und dadurch ſchlich ſich die Anſteckung in ſie ein, manche Untugend folgte ihr, viele Mißbräuche wurden Gewohnheiten, manche Ungereimtheit wurde leider geduldet. So haben Ueppig⸗