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mit einem Lächeln, welches nur ſelten ihre bleichen Lippen umſpielte.
Der Vicar fand Ottilie in ihrem Armſtuhl ſchla⸗ fend. Es war der Schlaf des ausgetobten Schmerzes, der quälende Träume bringt; der Schlaf mit rothen Augenlidern und bleichen Wangen, mit krampfhaft ver⸗ zogenen Lippen und unruhigen Athemzügen, die wohlthä⸗ tige Kraftloſigkeit, welche einer Ueberſpannung der Leiden⸗ ſchaften folgt.
Selbſt der ſtrenge Prieſter, der mit einem Wort der Ermahnung auf den Lippen kam, hatte Mitleid mit dem ſchönen, bleichen Geſicht, den müdgeweinten Augen, an deren Wimpern noch eine Thräne zitterte. Tief gerührt ſtarrte er eine Weile auf ſie hin, dann kniete er ſtill de⸗ müthig nieder, zog den härenen Gürtel feſter an, bis der Schmerz ſeine Wangen roͤthete, und vertiefte ſich in ein langes und feuriges Gebet — er bat für ſie.
Dann erhob er ſich wieder und weckte ſie mit einem ſanften Worte. Sie erſchrack heftig und wollte fliehen, doch plötzlich beſann ſie ſich, kehrte zurück und warf ſich an des Prieſters Bruſt mit dem Rufe:
„O mein Vater!“
Mehr konnte ſie nicht ſprechen. Er drückte ſie ſanft von ſich weg und frug:
„Sind das Thränen der Reue, meine Tochter, oder beweint Ihr nur eine irdiſche Liebe und nicht die der hei⸗ ligen Mutter, der Ihr entflohen ſeid2“
„Es hat ſich viel zugetragen, mein Vater!“ ſchluchzte ſie, ohne auf ihn zu hören. „Er iſt verloren, Arnold, auf ewig für mich verloren. Und wir hätten ſo glücklich ſein können!“
„Ja, mein armes Kind, Ihr habt viel verloren, ich weiß Alles; aber bei den Schmerzen der heiligen Jungfrau, weint nicht über das Geringere.“
„Nein,“ ſprach ſie; „nur das Geringere beweine ich
Das Haus Lauerneſſe. 1. 11


