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ſchöpfen aus dieſer Kraft, Ueberzeugung aus dieſem mäch⸗ tigen Glauben. Und mit Kraft und Ueberzeugung, mit Begeiſterung und Wärme mußte er ſprechen und die An⸗ dern horchten auf ihn, wie man in Deutſchland auf die Stimmführer gehorcht
Der Generalvikar Balduin war ein edler Menſch, ein Mann von klarem Verſtande, vorurtheillos genug, um viel Gutes zu ſehn, wo Andere nur Irrthum und böſen Willen fanden; aber er war zugleich katholiſcher Prieſter und darum ſchmerzte es ihn ſo tief, daß man Luther aufs Aeußerſte getrieben hatte, daß Luther ſo viel weiter ge⸗ gangen war, als alle Andern, welche eine Kirchenverbeſ⸗ ſerung wünſchten. Kirchenverbeſſerung! ja, aber keine Umgeſtaltung der kirchlichen Geſetze; Reinigung, aber kein Zerreißen, kein Umwerfen des Beſtehenden, weil es Miß⸗ brauch geworden war, um Neues an die Stelle zu ſetzen, was gleichfalls Mißbrauch werden konnte. Darum wollte er nicht, daß ein Jüngling wie Paul, die Sucht zu zer⸗ reißen, befoͤrdern und verbreiten ſollte. Er, Balduin, war ſich ſeines Uebergewichtes bewußt und ſeiner Ueberredungs⸗ kraft; der Jüngling hatte bei ſeinem Eifer ſo viel Sanft⸗ muth, ſo viel leicht erregtes Gefühl, ſo viel Weichheit ge⸗ zeigt, daß der Vikar nicht daran verzweifelte, die Ein⸗ drücke, welche derſelbe empfangen, durch andere zu erſetzen, ſeiner Froͤmmigkeit eine andere Richtung zu geben, ihm Anſichten einzupflanzen, welche er für die beſſern hielt. Darum hatte er ihn nicht aus dem Auge verlieren wollen und zweifelsohne war es Balduins Plan, ihn mit ſich nach Utrecht zu führen und ihn nicht einen Tag allein in Lauer⸗ neſſe zu laſſen; aber der plötzliche Ruf des Biſchofes und die beunruhigenden Nachrichten, welche demſelben zu Grunde lagen, hatten den Vicar die Belange der Kirche bei denen des Staates vergeſſen laſſen, oder beſſer, ſeine Aufmerk⸗ ſamkeit war durch die ſo verſchiedenen Gemüthsbewegun⸗ gen, von denen er Zeuge geweſen und zu denen er beitrug, von der Begegnung am Morgen abgelenkt worden; gleich


