Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

155

der wahren und einzigen Kirche, oder daß ich dieſelben unterſtützte zu deren Nachtheil; ſondern weil ich aus überſträflicher Zerſtreuung, und aus größerer Sorge und Anhänglichkeit an die weltlichen Angelegenheiten des Stiftes, als an die wahrhaften Seelenintereſſen der Heerde, mehr Uebel angerichtet zu haben fürchte, als ein ganzes Leben voll Reue und Buße und Uebung guter Werke wieder gut machen kann. Hört, hochwürdiger Vater!“

Und der Mann, deſſen ſtrenge Tugend ſo hart gegen ſich ſelbſt war, erzählte in tief niedergeſchlagenem Tone auf's demüthigſte Alles, was er ſein Vergehen nannte, ſein Vergeſſen Paul's in Lauerneſſe. Als er aber an das Leben des jungen Deutſchen gekommen war, da fiel Phi⸗ lipp ihm ungeſtüm in die Rede:

„Um Gotteswillen, warum habt Ihr ihn nicht mit⸗ gebracht? Bertmann! Die Flucht aus Flandern! Das Kind, einer Mutter geraubt! Alles, Alles läßt mich ver⸗ muthen, daß „ ja das muß ſein, es iſt nicht anders möglich O unvergeblicher Mißgriff, ihn ſo ſeinem Schickſal zu überlaſſen! Ich will des Teufels ſein, wenn ich nicht ſelbſt hinreite, um aber nein, ich bin Bi⸗ ſchof von Utrecht. Balduin, mein guter, beſter Balduin, geht Ihr und geht ſchnell! Sankt Martin weiß, in wel⸗ cher Klemme der Junge jetzt vielleicht ſchon ſitzt . Ei, verſteht Ihr mich denn nicht? . „Er iſt .. er kann ſein . und er flüſterte ihm etwas in's O

r.

„Auch das noch!“ rief der Vicar, das Auge ſchmerz⸗ lich zum Himmel erhoben. „Herr, o die Verantwortung dieſes einen Vergehens iſt zu ſchwer.“

„Ach, Ihr nehmt die Sache wieder zu arg,“ ſprach Philipp tröſtend. „Es ſchadet ſo ſehr nicht, wenn die Utrechtner auch einmal hören, was man in Deutſchland denkt und die Mönche und Geiſtlichen werden ein wenig mehr auf ſich ſelbſt achten, wenn ſie wiſſen, daß das Volk die Augen öffnet. Rettet nur den armen Paul; er