daß es ihm Mühe koſtete, ſeiner Geliebten das Wort nicht abnehmen zu können, welches ihrer weiblichen Aengſtlichkeit ſo viel koſtete, aber es wäre doch eine ſonderbare Anma⸗ jun und Voreiligkeit geweſen, wenn er, er ſelbſt geſagt hätte:
„Seht, ich bin der Auserwählte!“
„Da iſt ja Arnold Reiniersz von utrecht,“ riefen einige, welche ihn kannten.
„Ein Utrechtner, ja,“ fügten zwei Amersfortiſche Edelleute hinzu, welche ſich eben ſo wenig bezwingen konnten.
„Führt ein Bürger des Biſchofs uns das ſchöne Edelfräulein vor der Naſe hinweg?“
„Ein Sohn des Schöffen Bakelsze,“ ſprach der Jun⸗ ker von der Aém, mit ſeinem Degen ſpielend.
„Ja, von Utrecht,“ fügte Arnold ſelbſt hinzu, wäh⸗ rend er das Haupt ſo ſtolz und ſo herausfordernd erhob, als ob er hätte ſagen können: „Ein Graf von Holland!“
Diejenige von den Edeln, welche das Bürgerrecht in Utrecht erhalten hatten oder noch zu erhalten hofften, ſchwiegen faſt beſchämt.
„Das iſt ſo gut, wie Adel,“ rief ein fein und pfei⸗ fend Stimmchen; „und mein Neffe, Seine Eminenz der Cardinal, ſagte einmal
„Daß gewiſſe Leute beſſer thäten, zu ſchweigen, als zur Unzeit mit großen Namen zu prahlen,“ flüſterte van Zuilichem dem Sprecher zu.
Dieß Murren und alle die Mißbilligungen ihrer Wahl gaben Ottilie die Kraft zurück, deren ſie bedurfte; ſie mußte verwundet werden, um verwunden zu können. Jetzt auch erhob ſie das Haupt mit ſtolzer Würde, ihr Blick traf auf einen andern, der billigend auf ihr ruhte; Frauen bedürfen bei ihren beſten Thaten ſolch einer Er⸗ muthigung und ſo konnte auch jetzt Ottilie ſprechen, ſo daß Alle hörten.
„Das Teſtament des Herrn Heribert gibt mir heute


