—
49
dem Bruſtharniſch von hell polirtem Stahl, welchen er heute mit Willen umgegürtet hatte, um die Geliebte zu überraſchen, dem kurzen Waffenrocke mit ſchwarz und weißen Streifen, den Farben des kaiſerlichen Landesherrn. Und glaubt nicht, daß dieß trauerartig ausſah, dieß war trotz den über den Knieen gebundenen auch ſchwarzen ſammtnen Beinkleidern nicht der Fall, denn der mit Edelſteinen bedeckte Gürtel, welcher ſie an die Rü⸗ ſtung befeſtigte, gab ihnen etwas ſo Reiches, daß gerade dieſe Einfachheit der Farbe nöthig war, um nicht bloſſe Prunkſucht zu verrathen. Ein ganz ſchmaler Kra⸗ gen mit breiten Falten und mit eingewebtem Goldfaden trat oben aus der prächtigen Halsbinde hervor, und gab dem nach burgundiſcher Mode glatten und ganz bartloſem Geſichte etwas Ernſtes, Geſetztes. Die rabenſchwarzen Locken hatte der junge Utrechtner aber nicht der Mode geopfert; ſie ſchimmerten reich und üppig durch das ſie haltende Netz von Silberfäden. Auf ihnen ruhte der ſtolze Roſenhut von grünem Sammt mit den ſieben Roſen von feinem Gold, dem aufgekrämpten Rande und den neun liegenden Federn, die gleich dem Waffenrocke weiß und ſchwarz waren. Von dem Wamms war nichts zu ſehen, als die engen Sammtärmel, mit Manſchetten. Sein wei⸗ tes Obergewand gab dieſem enganſchließenden Anzug eine leichte Fülle; aber Arnold's ſchöner Wuchs mußte ge⸗ winnen, nun wo ihn weder Pelz noch Silberſtoff bedeckte.
Und neben ihm die Jungfrau in dem koſtbaren Kleide von roſenfarbenem Damaſt, reich geſtickt, und mit ſchwar⸗ zem Pelz beſetzt. Wie lang und weit es aber auch war, ſo verbarg es doch nicht ganz das Unterkleid von weißem Atlas, mit prächtigen Goldſtickereien; es war vorn in leichte Falten aufgeſteckt, und am Gürtel befeſtigt, den eine glänzende Schnalle ſchloß. Die weißen Aermel des Unterkleides lagen ſo eng am Arme an, daß ſie deſſen ſchöne Rundung eher hoben, als bedeckten z die weitern
Das Haus Lauerneſſe. 1. 4


