Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

48

kehrte er zurück, um Paul zu warnen, daß er nicht das Stübchen verlaſſe.

„Es iſt beſonders aus Furcht vor meiner Mutter, Donna Tereſia, daß ich Euch darum bitte. Sie hat die Leitung der Haushaltung; fremde Gäſte ſind ihr nie willkommen; würde ſie aber erſt gewahr, daß Ihr Lu⸗ theraner ſeid, dann machte ſie Euch bald das Haus zu enge. Wenn Ihr erſt dem Edelfräulein vorgeſtellt ſeid, dann geht das beſſer.“

Und der Page überließ den jugendlichen Reformator ſeinen Gedanken. .

IV. Der Morgen des Zeſtes.

Nie hat vielleicht ein ſo einfacher Vorgang, wie das Eintreten zweier Perſonen in ein Gemach, ſo viele Lei⸗ denſchaften in Bewegung geſetzt, ſo verſchiedene Gefühle geweckt, wie das Eintreten Ottiliens und ihres Verlob⸗ ten in den großen Feſtſaal des Schloſſes Lauerneſſe.

Ueberraſchung, Zorn, Täuſchung, Schrecken, Spott, gekränkter Stolz, verbiſſener Aerger, erheuchelte Freude, aufrichtige Theilname waren auf den Geſichtern lesbar. Aber es gab auch Lippen, um die ein ungekünſteltes Lä⸗ cheln ſpielte, ein Lächeln des Wohlgefallens und der Be⸗ wunderung. Sie waren auch gar ſo ſchön und einneh⸗ mend, dieſe zwei jungen Menſchen, mit dem glückſtrah⸗ lenden Antlitz und den Augen, aus denen Lebensluſt und reinſte Freude glänzte. Der Jüngling, wie ſah er ſo muthig d'rein in ſeinem reichen, maleriſchen Kriegerſchmuck,