Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
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Prieſter verbieten die Forſchung in Gottes Wort, welches ſie ſelbſt nicht kennen, oder nicht kennen wollen; ſie laſſen nur Einzelnen zu, was Allen gegeben iſt. Luther dage⸗ gen ermahnt, bittet und predigt und drängt darauf, daß man in voller Freiheit im Evangelium forſchen ſolle. Er wünſcht nur, daß man ihn mit dieſer Waffe bekämpfe, ſo man das könne. Und wenn man das nicht kann, wer ver⸗ läugnet dann das Wort der Apoſtel und wer verdreht dann die Gebote Chriſti? Sie, welche dieſelben menſch⸗ lichen Ausſprüchen und menſchlichen Geboten hintanſetzen, oder er, der in ihnen zu forſchen, ſie kennen zu lernen trachtet? Wer iſt hier der Ketzer, wer der Abtrünnige, und wer der Verläugner?“

„Ich werde Euch nicht antworten,“ ſprach Enriquez. „Ihr ſprecht von Perſonen, über die ich nicht urtheilen darf, auf die ich nur mit Ehrerbietung hinſchauen mag; ihr ſprecht von Sachen, die ich nicht zu unterſcheiden weiß; ihr ſteht an Kenntniß, Erfahrung und Kunſt der Sprache hoch über mir; aber laßt uns Pater Lucian horen, der verſteht Lateiniſch und liest die Vulgata, er kann Euch von dem Allen mehr ſagen, wie ich, der ich fühle, daß es nicht gut für mich iſt, darüber auf Euch zu horchen.“

Seine Stimme war ſanft und zweifelnd, als er dieſe letzten Worte ſprach. Es lag am Tage, daß Pauls Worte, mit wieviel Ernſt und Kraft ſie auch geſprochen waren, doch nichts gegen Grundſätze vermochten, welche Enriquez ſeit früheſter Jugend unumſtößliche Wahrheiten nennen gehört hatte, aber dennoch waren jene Worte nicht ganz Lerloren; ihnen kam vor Allem der Gedanke an den Schutz des Generalvicars zu Hülfe; auch fügte Enriquez ſchnell hinzu, als ob er fürchte, das Geſpräch abgebrochen zu aben: „Aber Pater Balduin von Utrecht, euer Schützer, iſt es wohl möglich, daß er weiß „2 8

„Ja, er weiß!“ antwortete Paul; „und würde er beſchirmen, was er gänzlich verurtheilt? und Ihr, Enri⸗