III. PZwei Zünglinge.
Während des hatte in einem andern Theile des Schloſſes ein ander Geſpräch ſtatt, auf welches meine Le⸗ ſer gleich viel Recht haben. Der Page Enriquez hatte den jungen Fremden, der ſeiner Obhut anempfohlen war, in einem kleinen Stübchen mit allen nöthigen Erfriſchun⸗ gen reichlich verſehn. Mit heiterer Vertraulichkeit hatte er mit dem Gaſte geplaudert, wie mit einem alten Be⸗ kannten, indeß dieſer ſich für das unterbrochene Frühſtück bei Meiſter Barendz ſchavlos hielt; dann ſchien Enriquez die Zeit gekommen, wo die Reihe des Sprechens an ſei⸗ nem Gaſte ſei. Als Paul aber in Gedanken verloren ſitzen
blieb, und mit der ſo gewünſchten Vertraulichkeit gar
nicht anfangen wollte, wurde Enriquez endlich verdrießlich und wollte wenigſtens einen Verſuch machen, heraus zu locken, was man ihm nicht aus freien Stücken ſchenkte.
„Und nun ſagt, mein Gaſt, womit wollen wir die Zeit bis zum Mittagmahl vertreiben? Wollt Ihr ein Spielbrett? Oder liebt Ihr Würfel oder das edle Schach? Sonſt habt Ihr wohl ritterliche Spiele gern, und wir wollen nach der Scheibe ſchießen, oder fechten Aber nein, Ihr ſeid ſtill und nachdenkend, vielleicht liebt Ihr die Harfe, oder die Laute und ſingt etwas dazu.“
„Mein junger Freund,“ ſprach Paul, aus ſeinem Sinnen erwachend, „Ihr habt recht gerathen; Waffen und Kriegsübungen ſind mir fremd, und das Spiel iſt ein Zeitvertreib, den ich nicht billige. Aber die Muſik, die dem Ohre ſchmeichelt, und das Herz erfreut, und den Geiſt erhebt, die iſt mir immer willkommen, doch bin ich heute ſelbſt zu wenig in Stimmung, als daß ich fingen könnte.“
„Ihr habt einen heimlichen Kummer, mein Freund?


