Liebe, all das Edle ſeiner früheren Verſtellung. Auch ſchaute Ottilie mit unausſprechlicher Zärtlichkeit zu ihm auf, als ſie wieder zu ſich kam und ſie ſprach:
„Mein Freund, mein edler, hochherziger Freund, die Probe war zu ſtark, und Ihr ſeht, ſie war unnöthig. Hört nun auch mich. Meine Wahl iſt nicht das Reſul⸗ tat eines übereilten Beſchluſſes, den ich in einer Stunde der Aufregung gefaßt, raſch und flüchtig und darum ver⸗ änderlich. Ich hatte zwei lange Jahre hindurch Zeit, ihn zu überlegen, reiflich und ernſtlich darüber nachzudenken und ich habe an das Alles gedacht und“ — fuhr ſie fort mit einer Kälte, zu der ſie ſich zwang, daß die Augen ihr feucht wurden, — „ich habe auch an das Nützliche des Schrittes gedacht. Ihr ſeid ein Mann von tiefer Einſicht, von viel tieferer wie die andern, die nur tapfer ſind; Ihr ſeid Krieger dem Wunſche zufolge, den Ihr mir bewilligt, die einzige Forderung, die ich Euch ſtellte, aber auch die letzte, welche ich Euch ſtellen werde. Ein feſter, kluger, tapferer Gemahl iſt mir nöthig, mir, der ſchwachen Waiſe gegenüber mächtigen Freunden und hart⸗ näckigen Feinden; denn wenn ich auch unter den Edeln hätte wählen können, jeder, den ich nicht gewählt, würde aus einem Freunde ein eiferſüchtiger Feind gewor⸗ den ſein. Aber Ihr, Ihr vereinigt — nein laßt mich ausſprechen, denn jetzt ſollt Ihr horchen — den Muth des Edelmanns mit der Klugheit und der Friedfertigkeit des Bürgers, Ihr werdet mich nicht in eine einzige Fehde verwickeln; auf Euch werden alle zuſammen eiferſüchtig ſein, aber wer von ihnen wird es wagen, dem kaiſerlichen Hauptmann den Frieden aufzukündigen? Sie wiſſen zu wohl, was es heißt, des Kaiſers Frieden brechen, ſagte Meiſter Florisz, der ein ſcharfblickender und kluger Mann iſt. Selbſt der hochwürdige Herr Biſchof, den ich heim⸗ lich um Rath frug, hieß meine Wahl gut. Man kennt und ehrt Euch in ganz Utrecht, Ihr werdet ein guter Herr für meine Unterthanen werden, Ihr werdet die Würde


