27
ihrem ſanft blauen Auge hin, es lag ein ſo klares Be⸗ wußtſein eigner Kraft, eine ſo heilige Ueberzeugung von der Treue ihres Herzens in der reinen Ruhe, mit welcher ſie auf ihn hinblickte.
„Ihr ſollt mein Herr und mein Gemahl ſein. Und ſagt nicht, daß ich zu Euch niederſteige, denn ihr ſeid groß, mein Freund, und edeln Herzens; Ihr ſeid ein Edler Eurer Seele nach, und ein Hochgeborner an Geiſt. Und ich bin auch nicht wie jene Andern, ich achte die ſtolzen, prunkliebenden Namen nicht, ich ſehe in vielen Vorrechten Unrechte und Ueberwältigung, ich ſpotte der kindiſchen Vorurtheile.“
„Das ſind keine leere prunkende Namen, mein Edel⸗ fräulein, das iſt kein Unrecht, dieß ererbte Recht, es ſind keine des Spottes würdige Vorurtheile, die hoher Geburt und hohen Ranges unter den Edeln des Landes. Wer ſie gering ſchätzt, die Privilegien der Städte, die Frei⸗ heiten der Bürger, der treibt ein tollkühn und unvorſichtig Spiel; wer die Vorrechte der Edeln verſpottet, der lacht ein gefährlich Lachen, denn das alles ſind feſte. . ..
Aber er endete dieſen Satz nicht, denn er ſah Otti⸗ lie bleich und geknickt in ihren Seſſel zurückſinken. Die kühle, kalte Ueberlegung, dieß lange Zögern war mehr, als ſie ertragen konnte; ſie verzweifelte an einer Liebe, die ſich ſo zu verſtellen wußte. Und es lag doch viel Seelen⸗ adel und Kraft in dieſer Verläugnung einer ſo gewaltigen Leidenſchaft, wie die ſeine für Ottilie war, und hätte dieſe die Thräne ſehen können, die er ſtets zurückvrängte und die ſtets wieder in dem männlichen Auge aufwallte, dann hätte ſie ihn gewiß nicht verkannt. Als ſie dieß that, vergaß Arnold die Rolle, welche er ſich aufgelegt, er ſprang ihr zu Hülfe, er ſtützte das ſchöne Haupt, wel⸗ ches er finken ſah, er küßte die Augen, die ſich wie in einer Ohnmacht ſchloßen, und gab ihr Namen, ſo lieb, ſo ſchmeichelnd, wie nie welche von ſeinen Lippen gefloſſen waren. Seine Angſt verrieth die ganze Groͤße ſeiner


