Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
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die Deine zu werden, ſie iſt ſanft und gut, die ſchönſte Blume des Stiftes. Du biſt der beneidenswertheſte Sterb⸗ liche. Aber haſt Du auch bedacht, wer ſie iſt und wer Du biſt? Sie die Erbin der mächtigen Lauerneſſen, das Evelfräulein, die Nichte des Biſchofes, welche Grafen und Barone ſich zur Braut wünſchten; und Sü 5 nur ein Bürger, allerdings ein freier Bürger von Uutrecht, dem eine Stelle im Rathe offen ſtünde, wenn er ſie wollte, aber doch einer, der ihr keinen andern Rang zu ſchenken hat, als den einer Bürgersfrau. Haſt Du Muth genug, zu wagen, daß Du ſo reich und ſo mächtig wirſt — und das durch eine Frau? Denn der Plan von früher, Ottilie, nach welchem Ihr Eure Güter den Verwandten Eurer Mutter geben wolltet, war unſinnig und kann nicht aus⸗ geführt werden; als Bürger bin ich nicht arm, aber ich könnte dem Evelfräulein von Lauerneſſe nicht dieß Gefolge von Dienern und Dienerinnen geben, woran ſie gewohnt iſt; ich habe eine Mutter, welche Wittwe iſt, ich habe Schweſtern und einen Bruder. Und Ihr, Ottilie, fühlt Ihr Euch ſtark genug, einen Gemahl in dem Manne zu ſehn, dem Ihr mit Eurer Hand ſo viel geſchenkt hättet? Denn hört und kennt meine Fehler; ich will aufrich⸗ tig mit Euch ſein: ich bin nicht wie die luſtigen Hofjun⸗ ker und Coelleute, ſtets heiter, fröhlich, die leichtſiunig über eine That hinſpringen und ein Wort nur als einen leeren Klang anſehen. Ich bin ernſt, finſter, nachdenkend; ich wiege Blicke und zähle Worte; und ſiehe, wenn je ein Blick, ein Wort, eine That von Euch mich daran erin⸗ nerte, daß Ihr Euch zu mir herabließet, Ottilie, dann wäre es auf immer geſchehen mit unſerm Glück! Es wäre für Euch und für mich beſſer geweſen 4 Dieß letzte ſprach er mit zwar ſanfter, doch ernſter, gedämpfter Stimme; er ließ dabei ihre Hände los, die er im Feuer der Rede in die ſeinen genommen und ſchaute ſie mit trübem, fragendem Blicke an. Sie hielt dieſen, obwohl ſcharfen Blick ruhig aus und ſah auf ihn mit