Teil eines Werkes 
1. bis. 3. Bändchen (1847)
Entstehung
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und in dem jetzt regierenden Kirchenfürſten Philipp faſt einen herzlichen Freund. Auch hatte Heribert von Lau⸗ erneſſe, der damalige Erbherr des freien Rittergutes, ſich um 1458 und in den folgenden Jahren in den blu⸗ tigen Kämpfen zwiſchen Utrecht und Amersfoort neutral zu halten gewußt, was ihm ſehr zu Statten kam und doch leicht zu entſchuldigen war, da er an ſtarken Läh⸗ mungen litt und zudem keine männlichen Erben beſaß. Dadurch war der friſche Baum, der ſo tiefe Wurzeln im Boden des Stiftes geſchlagen hatte, und ſeine Krone ſo ſtolz, ſo weit über die Wipfel aller andern erhob, jetzt dem Abſterben nahe. Ein einziger Zweig war nur noch übrig, eine Tochter von Heriberts Tochter, ein Mädchen nur, welches jetzt ſeinen Namen und ſein Wappenſchild, ſeine Macht und ſeine Rechte in die Hand eines Gatten legen ſollte. Darum auch hatten die Edlen und die Städte, der Biſchof und die großen Prälaten Utrechts alle das Auge auf die Jungfrau gerichtet, und die Frage: Wer dieſer Gatte ſein? beſchäftigte ſie Alle in gleichem aße.

Wie kreuzten ſich da die Werbungen, wie ſtießen

Intereſſen aller Art da zuſammen! Wie viel hatten die

Wiünſche mit Befehlen gemein! Denn ſie meinten alle

berechtigt zu ſein, die koſtbare Beute mit ſich zu führen. Aber Sttilie von Lauerneſſe hatte ſelbſt darüber zu be⸗ ſtimmen, wer der Glückliche ſein ſolle; ihr Großvater hatte in dem Teſtamente feſtgeſetzt, daß ſie nicht vor ih⸗ rer Mündigkeit zur Ehe ſollte gezwungen werden, daß ſie ſelbſt eine Stimme bei dem Schritte haben ſolle, der bindend für ihr ganzes Leben ſein werde. Keine der Wer⸗ bungen war bis dahin beantwortet worden. Jetzt, heute aber wurde Sttilie mündig und nun denke man ſich die Erwartung aller derer, welche da verſammelt waren. Als der Generalvicar eintrat, fand er weniger froh⸗ liches Feſtjubeln, als vielmehr ein Schweigen, wie das unruhiger Spannung und hoher Neugier, welche ſelbſt ſo

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