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kleine Mund mit ſeinem ſrieblichem Lächeln, die hohe, ſanftgewolbte Stirn und die feine griechiſche Naſe waren in ſchönſter Harmonie mit den reinen Verhältniſſen dieſes Angeſichtes, welches ein Maler gewiß nur dem liebens⸗ würdigſten der Jünger geliehen hätte, dem Apoſtel Jo⸗ hannes, den der Herr ſelbſt zu ſanft fand, als daß er ihn dem Martertode hätte überlaſſen ſollen. Seine Hände waren gefalten; er betete. Dieß Gebet war ein tiefes und ernſtes, ein Gebet, welches in der That Gemeinſchaft mit dem Himmel verleiht, ein ſolches, wobei der Ge⸗ danke nicht der Hülfe des Wortes bedarf und das Stam⸗ meln tiefſter Ehrerbietung die höchſte Beredſamkeit iſt. Endlich erhob er ſich. Da erſt konnte man die ganze ſchlanke Geſtalt erkennen, faſt die des nicht ganz entwi⸗ elten Jünglings. Er trug nebſt den Beinkleidern und dem Wamms der deutſchen Jugend noch einen leichten Mantel, der jedoch länger und von dunklerer Farbe war, wie die damals meiſt getragen, ein ſchwarzſeidenes Barett ohne Feder und in einem einfachen Gürtel einen kurzen Degen.
Er ſtieg langſamen Schrittes die kleine Anhöhe hin⸗ ab, wie wenn es ihm Mühe gekoſtet hätte, ſie zu ver⸗ laſſen. Es war aber auch ein prächtig Schauſpiel, wel⸗ ches ſich da vor ihm ausbreitete; ohne das glänzende Licht⸗ ſpiel des Sonnenaufgangs hätten Utrechts graue Thurm⸗ ſpitzen, welche im Südweſten auftauchten, und die Bur⸗ gen und Klöſter in der Ferne, und die grünen Aecker und Weiden, welche die ſorgende Hand des ſtiftiſchen ²) Land⸗ mannes ſchon damals üppig bebaute, hätte dieß Alles aus einem See von Thau und Nebeln aufſteigend, und unter einem Himmel, deſſen freundlich Blau einen ſchönen Sommertag verhieß, nicht anders einwirken können auf den jungen und unverdorbenen Mann, deſſen Gefühl noch
*) Das weltliche Gebiet des Bisthums utrecht wurde
das ſtiftiſche Gebiet genannt.


