Teil eines Werkes 
4. bis. 7. Bändchen (1847)
Entstehung
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„Spricht ſie die Wahrheit?“ frug er leiſe und ängſt⸗ lich, ſich über Paul hinbeugend.

„Es iſt mein Ruhm und mein Troſt in dieſer meiner letzten Stunde, daß ſie die Wahrheit ſpricht,“ rief dieſer mit ſo viel Feuer, als ihm ſeine Schwäche übrig ließ.

„O Gott, ſo gehört denn der Sohn, auf den ich meine Hoffnung geſetzt, zu dem ſchändlichen Anhang des Anti⸗ chriſts?“ rief der Herzog klagend. „O Arnold, mein Groß⸗ vater! Wie wirſt du bis ins vierte Glied gerochen? Wer von dem Vaterhenker Adolph abſtammt, der ſoll keine Va⸗ terfreude kennen! — Doch ihr habt ihn dazu verführt“ — fuhr er drohend zu Ottilien gewendet fort: „O das Weib iſt ſtets die Schlange, welche uns ins Verderben lockt!“

„Straft mich, als ſei dieß ſo,“ ſprach ſie ruhig — aber verſchont Euren Sohn mit Eurem Zorn auf ſeinem Todes bett.“

„Seid nicht bekümmert um mich, mein Vater,“ ſprach Paul. „Die Lehre, welche ich predigte, iſt aus dem Himmel.“

„Wenn ſie von da kommt, dann iſt ſie mit Lucifer niedergefahren — und Du? Du ſollteſt mit ihm zur Hölle fahren? — Nein, nein, mein Sohn ſoll nicht einem unreinen Ketzer gleich in meinem Hauſe ſterben. Du mußt Dich bekehren und den Troſt der Kirche erlangen.“

„Ich bedarf keines Troſtes, als nur deſſen: Chriſtus iſt für uns Sünder geſtorben, das verſichert mir dieß ſein Wort“ — ſprach Paul, ſich plötzlich erhebend und er küßte ehrerbietig eine kleine Bibek, welche Ottilie ihm reichte. „Vater, Euer Segen war mir lieb und werth in vieſer meiner letzten Stunde. Vater, ich hätte Euch ſo gern in Allem gehorcht, aber mein Vater im Himmel verbietet es mir in dieſem Falle, und ſeinem Willen muß ich ja folgen. Er hat mir Alles vergütet und erſetzt, was ich der Meinung Anderer zufolge entbehrt habe; ſelbſt jetzt erſetzt er mir das Wiederſehn eines geſegneten und theuren Freundes, nach welchem meine Seele ſich vielleicht mit zu irdi⸗