Teil eines Werkes 
4. bis. 7. Bändchen (1847)
Entstehung
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„Willſt du, daß ſie hierher komme?“

Ein glückliches Lächeln war Pauls einzige Antwort.

„Bertmann, die Gefangene werde hierher gebracht!“

Einige Augenblicke ſpäter wurde Ottilie hereingeführt. Sie ſchlich mit geſenktem Haupte daher, nur ein Schatten der einſtigen Erbin von Lauerneſſe, doch noch voll der Liebenswürdigkeit und ſanften Würde, welche der reinen 6 Frau bleiben, auch nachdem Zeit oder Leiden den Purpur von den Wangen wegwiſchten, den Glanz der Augen dämpften und das Lächeln von der Lippe nahmen. Auch entfuhr Karl bei ihrem Anblick der Ausrufz

„Eine ſchöne Frau in der That! Aber ſage mir, mein Sohn, iſt ſie deine Gattin oder deine Geliebte?“

„Meine liebe Schweſter in Jeſus Chriſtus, unſerem Herrn,“ erwiederte Paul, die Hand nach ihr ausſtreckend.

Man ſah dem Herzog an, daß er die Antwort nicht recht verſtand. Er wandte ſich darum zu Bertmann und frug ihn: „Wie kommen die Beiden zuſammen?“

Sie fielen nicht zugleich in unſere Hände, Herr Herzog. Den Junker nahm ich, wie ſchon geſagt, den Holländern ab, die ihn gefangen wegführten; die Jungfrau wurde ſpäter von einigen der Unſern auf gelderiſchem Grund und —

Boden gefaßt; ſie hatte zwei junge Männer bei ſich und da der liebe Junker alle kannte und ſo leidend war, daß er beſſerer Pflege bedurfte, als die Soldaten ihm ange⸗ deihen laſſen konnten, ſo ließ ich zu, daß ſie unterwegs für ihn ſorgten, und er hat mich oft verſichert, daß ihn dieß ſehr getröſtet habe.“

„Wie haben die Unſern es im Stift getrieben?“ frug 1 Martin van Roſſum, der weder geduldig noch beſcheiden genug war, ſeinen Herrn allein fragen zu laſſen.

„Grade, als ob Ihr dabei geweſen wäret, Herr Mar⸗ ſchall!“ antwortete der Hauptmann. „Sie verfolgten die Biſchöflichen bis ans Weichbild der Stadt, wo dieſelben ſich in eine Burg oder Schloß retteten. Das half ihnen aber wenig. Die Unſern rückten ihnen gewaltig zu Leibez