„Heilige Himmelskönigin!“ rief Arnold Sein Blut ſtrömte von Neuem in Folge der Anſtrengung, mit der er ſich dabei erhoben hatte.
„Jeſus, Du Erlöſer aller Sünder!“ betete Ottilie.
„So betet zu meiner benedeiten Schutzpatronin!“ befahl Arnold. „Gebt mir Euer Kreuz, das goldene, welches Ihr ſtets zu tragen pflegtet, auf daß ich meines lieben Herrn Füße küſſen kann, bevor ich ſterbe. Ei ſo gebt es mir voch!“
„Ich habe kein Kreuz!“ weinte Ottilie, die ſich mehr darum betrübte, als um den Verluſt ihres ganzen Schloſſes.
„Auch kein Kreuz!“ ſprach er matt und ſchwieg eine Weile mit geſchloſſenem Auge. Plötzlich ſchien die ganze düſtre Wahrheit klar vor ihn zu treten.
„Ah, ich weiß, Ihr ſeid eine Lutheranerin!“ ſchrie er plötzlich auf. „So waren denn die finſtern Träume wahr und keine Täuſchung. O, kein Trug! O, keinen Prieſter! Keine Abſolutioni Wehe! Auch meine Mutter hatte keinen Prieſter an ihrem Sterbebett und, Gott weiß es, das war meine Schuld nicht. Doch fluchte ſie mir! Das kommt von Luther, das kommt von Euch! Sie weh⸗ ren Alles von mir ab, was mir lieb iſt, ſelbſt den Prieſter! O ich fluche Luther! O ich verfluche Euch!“
„Ich kann dieß Leiden nicht ertragen!“ rief Ottilie verzweifelt. „O Herr und Gott, habe Erbarmen! Arnold, flucht mir nicht, nicht mit ſterbendem Munde! Ihr ſollt nicht ſterben, ich will nicht, daß Ihr ſterbet!
Mit Aufbietung ſeiner letzten Kräfte entriß der Ster⸗ bende ſich ihren Armen und ſiellte ſich aufrecht.
„Ein Prieſter! Ich ſehe einen Prieſter!“
So rief er mit ſchaudererregender Freude und ehe noch zwei Minuten verfloſſen, ſtürzte er hin auf den har⸗ ten Boden, matt und ganz erſchöpft.
Ottilie hielt dieß Wort für ein in Wahnſinn geſpro⸗ chenes, und doch war es Wahrheit. Enriquez kam mit
*


