Nach einer Viertelſtunde war die Weide gänzlich geräumt; die Holländer hatten vor denen von Geldern weichen müſſen und dieſe zogen jetzt brandſchatzend und plündernd weiter.
Doch nein, ganz geräumt war die Weide nicht. Hier und da lagen Leichen von Bürgern und Soldaten. In manchem Koͤrper war wohl noch ein Reſt von Leben übrig, aber keine milde Hand half es in ihm zurückhalten. Keine? —
Httilie hatte noch eine ſchwere Pflicht zu erfüllen; ſie ſaß neben Arnold, nicht um ihn zu pflegen, denn ſie hatte nichts, womit ſie ihm hätte helfen können; nein, nur um ihn ſterben zu ſehn. Seine Wunde war ſchwer, ſie war tödtlich; der ſcharfe Degen hatte ihn an der Schläfe getroffen. Sein Haupt lag in ihrem Arm; ſo hatte er doch ein weicheres Sterbekiſſen, als den harten Boden. Mehr konnte ſie nicht für ihn thun. Sie konnte ja nicht einmal das Blut aufhalten, welches unaufhörlich aus der Wunde ſtrömte, obſchon ſie dieſe ſo gut wie möglich verbunden hatte, und mit jedem Tropfen ent⸗ ſtrömte mehr des Lebens, welches ſie mit Allem hatte ſchmücken wollen, was das Leben nur ſchön machen kann!
Neben ihr kniete gebeugten Hauptes ein junger Mann, der herzlichen Antheil an Beiden zu nehmen ſchien. Sein Mitgefühl hatte einen viel tiefern Grund, als gewöhnliches Mitleid, denn er iſt der Freund der Jungfrau, ſie iſt ſeine Wohlthäterin und Selbſtvorwürfe dringen in mancher ſeiner Klagen durch.
Es iſt Enriquez, der aus Lauerneſſe floh, weil er kein Theil an der Schuld ſeiner Mutter, an ihrem unrecht⸗ mäßig erworbenen Gute haben wollte, dann bei dem Schloßvogt von Kuilenburg in Dienſt getreten und mit den jungen Leuten aus der Stadt zur Weide gezogen


