Teil eines Werkes 
4. bis. 7. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

283

wegene Prediger ſeine Reden eine halbe Stunde Wegs von der Stadt fortſetzte, eilten ſie nebſt allen andern Brüdern hin, um ihn zu hören und zwar mit einem Eifer, in dem vielleicht ebenſoviel Leidenſchaftlichkeit, als Drang nach dem Worte der Wahrheit ſtreckte. Diejenigen, welche ſich am meiſten vorgethan hatten, fingen jetzt an, die Fol⸗ gen ihrer Unvorſichtigkeit zu fürchten, da Frau Eliſabeth van Kuilenburg, ſei es ihrem mächtigen Nachbarn und Lehnsherrn, ſei es dem kaiſerlichen Grafen von Holland zu Liebe, die Ordnung gewiß auf die ſtrengſte Weiſe zu handhaben trachten werde, und ſie beſchloßen, ſich auf einige Zeit nach Deutſchland zu begeben. So fand Ottilie alſo Reiſegefährten, wo ſie nur Gaſtfreunde zu finden gehofft. Sie wollte die Predigt noch hören und dann auf dem ſ welches ſie hierhin gebracht, ihre Reiſe fort⸗ etzen.

Der Heckenprediger behandelte gerade einen der Punkte, in welchem der Katholicismus ſo ſcharf von dem Luther⸗ thum angegriffen wird, die Verehrung der Heiligen und ſtampfte in ſeinem wilden und rohen Eifer ſo wüthenp auf den Wagen, daß die Bretter krachten, als ihn plötz⸗ lich einzelne Stimmen aus der Menge überſchrien. Von zwei Seiten her brachen dieſe Stimmen zu gleicher Zeit

los.

Da, wo die früher beſprochene Gruppe ſich befand, rief man:

„Der Mansfelder will ſprechen, der geſegnete Paull Ihn wollen wir hören!“

Paul hatte nicht ſtets mit billigenden Blicken auf tie Rede des Heckenpredigers gehorcht und war jetzt aufge⸗ ſtanden. Seine Augen glänzten und ſeine Stirn glühte in hoher Begeiſterung.

„Noch einmal will ich zu ihnen reden,“ ſprach er. „Ich will ihnen von Sanftmuth ſprechen und von Liebe. Unſer Herz wird nicht rein davurch, daß wir über eines andern Unreinheit ſchimpfen; es iſt nicht nothig, daß man