lien bei der großen Schwäche Pauls und ihrer eigenen Hülfloſigkeit hoͤchſt willkommen war. Die Urſache der Abreiſe ſo Vieler aber mußte ſie tief betrüben.
Bis dahin hatte große Duldſamkeit in Kuilenburg geherrſcht und die Predigten der Evangeliſchen waren heimlich zugelaſſen und ſogar begünſtigt worden. Es wäre ſomit wohl an den Lutheranern geweſen, dieſelbe Fried⸗ liebendheit zu zeigen, wo es die Sache der Katholiken galt, aber das hatten ſie nicht gethan. Der neue Pre⸗ diger, der ſeit Kurzem in die Stadt eingezogen war, hatte ſich nicht damit begnügt, die Brüder in den heimlichen Verſammlungen zu erbauen, ſondern hatte auf dem öͤffent⸗ lichen Marktplatze alle Andersdenkenden mit harten und zwingenden Worten angefallen und getrachtet, ſie zur neuen Lehre herüber zu führen. Dieß gab natürlich Aergerniß, war aber noch nicht gefährlich. Die ernſtern Bürger zuck⸗ ten die Schultern und ſchüttelten den Kopf, das Volk horchte, vergalt Grobheit mit Grobheit und ging ſeines Weges weiter. Endlich aber kam ein mit Abläſſen rund⸗ reiſender Dominikaner in die Stadt und ſtieß auf den lutheriſchen Prediger. Dieſer trieb den Streit zu einer Heftigkeit, die mehr für ſeinen Eifer als für ſeine Vorſicht ſprach, und als er ſah, daß Worte bei dem Frater und den Ultrapäbſtlichgefinnten nichts ausrichteten, rief er ſeine Laien aus dem Pöbel zu Thaten auf. Da war die Re⸗
gierung gezwungen, ihn aus der Stadt zu weiſen, er ge⸗
horchte auch, aber es war ſchon zu ſpät. Der einmal geweckte Religionshaß befriedigte ſich nicht mit der De⸗ müthigung einer Partei. Die Katholiken ſtolz auf ihren Sieg und geſtützt auf die Behörden, drohten, ſpotteten und ſchimpften; die Lutheraner vergalten die Drohungen mit Drohungen, den Spott mit Spott und den Schimpf mit Schimpf. Die Angeſehenern unter ihnen, welche ſich frü⸗ her nicht in die Sache gemiſcht hatten, fühlten nun, daß ſie dieſelbe zu der ihren machen müßten; ſie trotzten der Gegenpartei, wo und wie ſie konnten, und ſobald der ver⸗


