278
welche die Seinen gleichfalls waren, und eiferte mehr ge⸗ gen dieſe oder jene Inſtitutionen der katholiſchen Kirche, als für das große Princip des reinen Evangeliums; er ſprach mehr von Abſcheu gegen Glaubensfeinde, als von Liebe zu Glaubensbrüdern, mehr von Kampf, als von Frieden, mehr von Aufſtand, als von ruhiger Hingabe an Gottes Rathſchlüſſe, mehr gegen die Mißbräuche des „Pfaffenthums,“ wie er es nannte, als gegen die Mängel und Gebrechen, die ſchon damals ſich in der jungen evan⸗ geliſchen Gemeinde Bahn brachen. Und es war gut, daß er ſo ſprach, man war noch in der Zeit des Abbrechens, das Aufbauen ſollte ſpäter folgen; ſo lang die Heerde nicht ſtreng geſchieden war, konnte für ihre Reinigung nicht viel geſchehen.
Wir haben den Prediger ſelbſt als einen der herum⸗ ziehenden Verkündiger der evangeliſchen Wahrheit erkannt, die ohne Furcht und ohne Vorurtheil im Wirthshaus lehrten, wenn man ihnen die Kirche verweigerte, denen der offene Marktplatz nicht zu öffentlich war, wenn man ſie aus dem Hauſe trieb, die, meiſt gezwungen, ihre Pre⸗ digten außerhalb der Stadt zu halten, das freie Feld als Hörſaal wählten. Das Einzige, was ſie von der übrigen Welt ſchied, war etwa eine Hecke, oder ein Baumgarten, oder ein Paar ſchattenreicher Bäume; davon hatten ſie den Spottnamen Heckenprediger erhalten, der ſpäter auch auf jeden Laien überging, der ſich berufen fühlte, ſeine Stimme zur Erbauung der Gemeinde zu erheben.
Wir ſprachen ſchon von den Zuhörern. Das war eine ſehr gemiſchte bunte Menge. Nicht nur an Rang und Jahren waren ſie verſchieden, ein tiefer Liegendes trennte ſie unter einander. Nicht alle, die ſich hier ver⸗ ſammelt, waren Brüder, nicht alle waren Fromme, nicht alle Freunde; es waren auch Neugierige da, die horchten; Feinde, die in böswilliger Abſicht kamen und lauſchten, um ſpäter läſtern zu können; Gleichgültige, die horchten, um Nahrung für ihren Spott zu finden, aber gewiß


