Teil eines Werkes 
4. bis. 7. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

275

damals leichter fand, als jetzt, und Aafke hatte wieder die Freude, in einer Hauptkirche der Hochmeſſe beizuwohnen.

Die Kinder folgten ſpäter, dafür ſorgte der Vicar, welcher ſich in Bezug auf ſeinen Einfluß bei dieſer Sache nicht verrechnet hatte; denn mochte es ihm gefallen oder nicht, der Biſchof hatte noch Rechte bei der holländiſchen Geiſtlichkeit und — Pater Balduin war ſein Vertreter.

Heinrich von Bayern hatte wohl eingeſehn, daß der unangenehme Streit mit Amſterdam endlich ein Ende nehmen müſſe, ſo er nicht ſeinen letzten Einflnß auf's Spiel ſetzen wolle. Zur Schlichtung des Streites be⸗ durfte es aber eines Mannes von großer Einſicht und Mäßigung und alle Herrn ſeines Rathes hatten, als die Rede von einer Wahl war, zum großen Aerger des jetzigen Generalvicars, einſtimmig Balduin van Herdte's Namen genannt. Dieſer wurde demzufolge aus ſeinem Aſyl Odyk nach Duurſtede entboten, um ſeine Meinung über die Sache gebeten und als man ſeine Vermittlung anrief, da vergab er gern und ſchnell das ihm früher widerfahrne Unrecht und bot ohne allen Triumph über dieſe glänzende Genugthuung einfach und aufrichtig ſeine Dienſte an und — ſo kam er nach Amſterdam.

Wir laſſen ihn daſelbſt und begegnen ihm nicht wie⸗ der. Er ſtarb an demſelben Tage, an welchem ſein Nach⸗ folger im Vicariat das Te Deum für den neuen weltlichen Herrn des Stiftes ſang. Kurz vor ſeinem Tod hatte er Briefe verbrannt, welche für Freunde in Baſel und Wit⸗ tenberg beſtimmt waren. Der Prieſter, welcher ihm in ſeinem letzten Augenblicke beiſtand, umgab ſein Gedächtniß ni Strahlenkranze von Rechtgläubigkeit und Hei⸗

gkeit.