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hörte, ſeinen Gott und Erlöſer anzurufen. Da ertönte vom Kerker her das Lied: „O heilreich Feſt der Märtyrer!“
Mit Begeiſterung geſungen drangen ihm die Töne er⸗ hebend zu und ſie ſchmolzen zuſammen mit ſeiner letzten Bitte, denn der barmherzige Strick that, was Flammen und Rauch vielleicht in langer Zeit noch nicht gethan und Johannes Piſtorius ſank taumelnd, wie in einen ſanften Schlaf. Der Herr, auf den er ſich ſtützte, hatte ſeinem Körper, wie ſeiner Seele Macht über den Schmerz ver⸗ liehen. Brandt erzählt, daß ſeine Züge ſich nicht im Mindeſten verzogen, daß ſein Auge ſich ruhig ſchloß und er kein Zeichen von Schmerz gab. Wie dem auch ſei, der erſte unſerer Blutzeugen für die Reform hatte ausge⸗ ſtritten. Hollands Boden hatte das Blut ſeines erſten Märtyrers getrunken, der für die reine Lehre des Evan⸗ geliums ſtarb. Eine dumpfe Stille herrſchte unter dem Volk, vas mit verhaltenem Athem zugeſehen und zuge⸗ horcht hatte und bezeugte, wie es die frommen Worte aufgenommen, wie es das ſtandhafte Ausharren des Mär⸗ tyrers bewunderte. Dieſe Stille, welche offenbar keine Furcht war, vielleicht ein um ſo lauter ſprechend Gefühl im Innerſten der Seele, brachte die Glaubensrichter zu dem Beſchluß, das ſchon feſtgeſetzte Blutſchauſpiel mit Bernardus und den Uebrigen für einſtweilen noch zu ver⸗ ſchieben. Der Dominikaner hatte auch einen ſolchen Aus⸗ gang nicht erwartet.
Als Piſtorius ſeinen letzten Seufzer aushauchte, er⸗ hob eine bis ganz nahe an den Scheiterhaufen hervorge⸗ drungene Frau die Hände betend zum Himmel. Ihr Ge⸗ ſicht war bleich, aber auf ihrer Stirn glühte eine un⸗ ausſprechliche Begeiſterung, und die lebendigen Augen hingen feſt an dem Märtyrer und ſie rief flehend zu Gott:
„O Herr und Vater! wie willkommen wäre mir jetzt der Tod! Nur laß mich ſterben, wie er!“
„Es ſcheint daß die Erfüllung dieſes Herzenswunſches


