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mert? — mit Erwartungen, in welchen ſie ſich bis jetzt getäuſcht fand.
Frau Reiniersz hatte ſie empfangen, wie eine Toch⸗ ter, und je näher ſie die Sanfte und Liebliche kennen lernte, um ſo mehr ſchmerzte es ſie, daß ſie ihr fremd bleiben ſolle, daß Arnold ſo viel Glück von ſich wegge⸗ ſtoßen hatte. Ihrem Grundſatz getreu, nichts zu verurthei⸗ len, was ſie nicht kenne, hatte die Wittwe die beiden Jungfrauen ruhig bei ihren Anſichten gelaſſen; dieſe erſte Nachgiebigkeit mußte natürlich manche andre in ihrem Ge⸗ folge haben: ſie duldete die Geſpräche über die neue Lehre, in welche auch Laurenz ſich ſpäter miſchte, ſie horchte ſelbſt mit Aufmerkſamkeit darauf, mit ſteigender Theil⸗ nahme, ſie wurde überzeugt, ſie auch wollte unterrichtet werden, ſie glühte vor Verlangen, die Predigt eines evan⸗ geliſchen Lehrers zu hören, aber Paul reiste in Holland umher und um ſeiner eignen Sicherheit willen durfte er noch nicht zurück. Ein Verſuch des Generalvicars, ihn durch einen Machtſpruch des Biſchofes, den die weltliche Macht unterſtützte, von Ottilien zurück zu fordern, war nur darum verunglückt, weil der Jüngling durch Johan⸗ na's Fürſorge ſchon ferne war; dieſer Verſuch bewies Allen, wie viel Gewicht man darauf legte, ſich ſeiner zu bemächtigen, wie nöthig es war, daß er ſich nicht bloß⸗ ſtellte. Aber Johannas Piſtorius predigte mitunter in Woerde und auch die Wittwe ging, getrieben von dem warmen religöſen Sinne, der ſtärker wird, je mehr die Jahre zunehmen, oder je lebendiger man von dem nahen Ende überzeugt iſt, mit vielen ihrer Mitbürger auch da⸗ hin und bekannte ſich als Mitglied der jungen Gemeinde. Als Laurenz wegen ihrer nun Gefahr drohenden Krank⸗ heit von Amſterdam nach Utrecht gerufen wurde, begleitete Paul von Mansfeld ihn; der Wunſch, einer Sterbenden die Troſtworte „Vergebung der Sünde und Seligkeit“ zu⸗ zurufen und die Zurückbleibenden auf das ſchönere Wieder⸗ ſehen hinzuweiſen, hatte ihn ſelbſt gegen den Willen ſei⸗


