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„Dann müſſen die letzten Augenblicke dem Heile ihrer Seele geweiht werden,“ ſprach Paul, Ottilien ſanft von ihrem Flatze entfernend.
„Junger Mann, dergleichen Gemüthsbewegungen, wie Ihr hervorrufen wollt, beſchleunigen die Todes⸗ ſtunde „„
„Aber ſie erleichtern den Todesſtreit,“ fiel der Deutſche ein. Der Arzt wandte mit einem ſonderbaren Ausdruck von Spott und Verachtung den Kopf, während er fortfuhr:
„Und dazu iſt kein Prieſter hier; wenn der kommt, dann iſt ſein Beiſtand vielleicht unnöthig.“
„Die Prieſterweihe Roms iſt kein unbedingtes Er⸗ forderniß, um einer Sterbenden ben letzten Troſt zu ge⸗ ben,“ erwiederte der Deutſche.
„Glaubt Ihr das?“ ſprach der Arzt zurückſchreckend.
„Thut das, wie Ihr wollt, allein erlaubt, daß ich mich
entferne; andre Kranke warten auf mich; ich komme ſpäter zurück.“
Und er eilte weg; einige der Anweſenden hatten be⸗ merkt, daß er bei Pauls Worten ſehr bleich geworden war.
Und Paul hatte Recht; an dieſem Sterbebette wäre ein römiſcher Prieſter unnütz geweſen, denn die Ster⸗ bende war keine Katholikin mehr. Als ihre Geſundheit zu wanken begann und ihr Körper ſichtbar unter dem Drucke ihrer Seelenleiden ſich beugte, hatte die beküm⸗ merte Aafke Johannen zurück gerufen; ſie bedurfte der Stütze dieſer Schweſterhand. Johanna aber war nicht allein gekommen. Es war Ottilien in dem einſamen Schloſſe und in der Geſellſchaft der biſſigen Donna Tereſia zu ängſtlich geworden, da keine ſchöne Hoffnung die dü⸗ ſtern Wände ihrer Säle mit Roſen und Sonnenſchein färbte. Sie folgte darum der Schweſter Arnolds in die Wohnung ſeiner Mutter, vielleicht — wer kennt die Spinnwebfäden, an denen die hoffende Liebe ſich feſtklam⸗


