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bewahren gewußt, daß ſie plötzlich ihr Verhältniß zum älteſten Sohn ſo zerfiört ſah, den ſie ſo hoch ſtellte, und das zwiſchen ihren Zwillingen nicht minder, auf die ſie ſtets mit ſo viel mütterlichem Wohlgefallen hingeblickt hatte; es machte ſie ſo unausſprechlich bitter, zu wiſſen, daß ihre Kinder ſich fortan meiden würden, daß Arnold der Schwelle ſtets fern bleiben werde, deren Schutz er hätte ſein ſollen, oder daß er ſie mit Worten überſchreite, welche härter und verletzender waren, als deren je unter ihrem friedlichen Dache gehört worden.
Sie hatte ſchon oft im Sinne gehabt, ihren Sohn wieder in ihr Haus zurück zu rufen und ihn um Frieden und Verſöhnung zu bitten, aber ſie kannte ihn auch wie⸗ der zu gut, als daß ſie dieß in der That hätte hoffen können, und es war inzwiſchen noch ſo viel geſchehen, was ihn gewiß zu keiner Verſöhnung geneigt machen konnte. Sie hatte es alſo verſchoben, ſo lange wie ſie konnte; nun aber, wo ſie ſeit zwei Tagen, eine Stimme in ſich hörte, welche von ihrem nahen Ende ſprach, nun wollte ſie noch einmal verſuchen, wie viel das Wort einer Mut⸗ ter vermöge. Nein, das ſei keine falſche Hoffnung, meinte ſie; eine Bitte von den Lippen einer Sterbenden müſſe ein heiliger Befehl, und ſo verhärtet könne keines Jüng⸗ lings Seele ſein, daß ſie nicht erweicht würde, wenn er dem Todesbette einer Mutter nahe.
Es waren jetzt zwei Tage, ſeitdem ein Bote nach Dortrecht abgegangen war, aber der Sohn kam nicht. Die Kranke zuckte ſchmerzlich zuſammen, ſo oft etwas ſie an ihn erinnerte; oder beſſer, ſie hatte keinen Augenblick klaren Bewußtſeins, in welchem ſie nicht ſeinen Namen ein einem Tone ausſprach, der die Andern vor Schmerz beben machte. Der Abend des zweiten Tages brach jetzt an und man hatte die Hoffnung aufgegeben.
Dem Bette zunächſt ſaß ein Mann, deſſen langer, ſchwarzer Talar mit einem ſchmalen Streifen von braunem Pelz beſetzt, und das ernſte Barett den Gelehrten erkennen


