Teil eines Werkes 
4. bis. 7. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

nicht länger, Ihr ſeid frei, Ihr ſeid bewaffnet, ich bin's nicht, macht mit mir, was ihr wollt. Aber wenn ihr auf meinen Rath hören wollt, dann verſchmäht die Sühne nicht, welche ich Euch aufrichtig anbiete und laßt mich Euch ſicher dahin bringen, wo Ihr ſein müßt. Gebt mir Eure Hand!“

Obſchon er glühend vor Zorn mit dem Fuße ſtampfte, war doch Arnold nicht ſo durch ſeinen Muth geblendet, daß er nicht eingeſehen hätte, wie dieſe hochherzige Rede

ihm die Hände mehr band, als die Feſſeln, welche ihn ſo eben noch hinderten ſich zu regen. Wenn aber auch ſein natürlicher Edelmuth ihm nicht zu zuließ, von ſeinen Waffen Gebrauch zu machen, dann wäre doch keines Men⸗ ſchen Zureden mächtig genug geweſen, um ihn in eine ſanftere Stimmung zu bringen, als in die verbiſſenen Zor⸗ nes, und er fand den Gedanken an Verſoͤhnung eben ſo ungereimt, als das weitere Geleit dieſes Feindes un⸗ nothig.

Auch ſchied er ſchnell von ihm, während er ihm noch nachdrücklich zurief:

„Kein Friede mit Dir in Ewigkeit, Lutheraner! Cwiger Kampf mit Dir, Ketzer und Vertheidiger der Ketzer! Kampf gegen Dich, ſo lange wie ich Athem holen werde!“

Und das Wort war ihm ſo ernſt, daß er ſeitdem Amſterdam nie wieder aus den Augen ließ.

Hier hausten ja die Lutheraner, hier ſahen ſie ein⸗ ander in ſchänlichen Verſammlungen, hier würde er nicht länger nach Schatten greifen, wenn er der Gerechtigkeit und der Kirche ein Opfer bringen wollte. Und ſo oft ſein fanatiſcher Eifer ſich ſeit dem Luft machen wollte, ſo vft ſeine Hände nach Thaten zuckten und ſeine Zähne vor Wuth knirſchten, ſo oft ſah man ihn eilends fortren⸗ nen nach der Amſtelſtadt. Es war ſchrecklich, daß er auch an einem Tage da ſein mußte, an welchem ein Bote von Utrecht zu ihm nach Dordt geſchickt wurde.